Verschlüsselung von Kudelski gehackt

Premiere - Pay-TV-Sender fordert nun Schadenersatz.

Das Westschweizer Unternehmen Kudelski ist unter Druck: Hacker haben die von ihm hergestellte Verschlüsselungstechnik für den deutschen Bezahlsenders Premiere geknackt. Illegale Receiver, die im Ausland produziert worden seien, seien in grösserem Umfang in Deutschland verkauft worden, gab der Sender bekannt. Das habe Premiere seit dem Weihnachtsgeschäft zu spüren bekommen.

Ungeachtet dieser Ereignisse läuft die Zusammenarbeit von Premiere mit Kudelski weiter: Im zweiten Quartal 2008 werde nun eine neue Smart-Card-Generation eingeführt, um die Sicherheitslücke zu schliessen. Diese werde ebenfalls von Kudelski geliefert, sagte ein Premiere-Sprecher.

Der Austausch der sogenannten Smart Cards bei Premiere wird die Kudelski-Gruppe weniger als 10 Mio. Fr. kosten, wie Finanzchef Mauro Saladini gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Dies liege im Rahmen der normalen Geschäftsplanung und werde nicht zu Sonderkosten führen.

Kudelski habe die Karten an Premiere vermietet und müsse für den Austausch aufkommen, wenn es zu viele Schwarzseher gebe. Die Befürchtung, Kudelski könnte nun einen seiner wichtigsten Kunden verlieren, wies Saladini zurück. Der Vertrag mit Premiere laufe bis 2012 und könne um weitere drei Jahre verlängert werden.

Premiere will aber mit Kudelski über Schadenersatzansprüche verhandeln, wie ein Sprecher des Senders in München sagte. Juristische Schritte seien nicht vorgesehen: "Wir sind in Gesprächen, mehr ist nicht geplant", sagte der Sprecher.

Die Kudelski-Aktien kamen an der Börse unter Druck: Die Titel eröffneten am Mittwoch um 5 Prozent tiefer. Nach mehreren Handelsunterbrechungen notierten sie um 10 Uhr 30 bei 16.80 Franken. Das ist ein Minus von 13,8 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Dienstag. (sda)