Der vierte Gast bei "Schawinski" ist Cédric Wermut. Er kandidiert im Kanton Aargau auf der Liste der SP für den Nationalrat. Wie die "NZZ am Sonntag" schreibt, verstösst das Schweizer Fernsehen damit gegen seine eigenen publizistischen Leitlinien, die festlegen, das vor Wahlen Auftritte von Kandidaten in "Unterhaltungs-, Talk- und Sportsendungen nicht zulässig" seien. Solche Auftritte bergen meist ein grosses Profilierungspotenzial und würden den Kandidaten gegenüber Konkurrenten einen grossen Vorteil verschaffen.
Wie die Zeitung weiter schreibt, habe der Chefredaktor des Schweizer Fernsehens, Diego Yanez, seine Mitarbeiter in einer Mitteilung darauf hingewiesen, dass ab dem 22. August 2011 die Regeln der Ausgewogenheit und Fairness noch enger definiert würden als sonst. Bis zum 23. Oktober sollten keine Kandidaten mehr ohne "zwingenden Grund" in Sendungen auftreten, die Profilierungspotenzial böten.
Für den Auftritt Wermuths bei Schawinski gibt es laut "NZZ am Sonntag" keinen zwingenden Grund. Vor einer Woche habe Schawinski die FDP-Ständeratskandidatin Karin Keller-Sutter eingeladen und damit auch sie gegenüber ihren fünf Mitbewerbern im Kanton St. Gallen bevorteilt. Diesen Auftritt könnte man mit Mühe und Not damit rechtfertigen, dass sich Keller-Sutter zurzeit dem Vorwurf ausgesetzt sah, als Sicherheitsdirektorin eine Asylbewerberfamilie bevorzugt behandelt zu haben.
Andrea Hemmi, die Medienchefin des Schweizer Fernsehens, rechtfertigt den Auftritt von Cédric Wermuth, dass nach Peter Spuhler von der SVP und Karin Keller-Sutter von der FDP nun ein Vertreter der SP bei "Schawinski" eingeplant sei. Der Medienjurist Peter Studer, früherer Chefredaktor des Schweizer Fernsehens, findet die Einladung Wermuths "sehr problematisch". Wenn sich das Schweizer Fernsehen Regeln gebe, habe es diese einzuhalten.