Verteidigt Roma-Bild

Roger Köppel - "Stürmer"-Vergleiche seien von Unzurechnungsfähigen.

Auf dem Titelbild der "Weltwoche" vom 5. April hält ein Roma-Junge beidhändig den Abzug einer Pistole und zielt mit dem Lauf gegen den Betrachter (persoenlich.com berichtete). Im Interview mit persoenlich.com vom Dienstagnachmittag stellt sich Chefredaktor Roger Köppel den Fragen um das vielkritisierte Bild. Gegen diffamierende Kritik behält sich Köppel vor, eventuell seinerseits rechtliche Schritte einzuleiten.

Herr Köppel, was denken Sie selbst, wieso sorgt Ihr Bild mit dem Titel "Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz" für eine solche Aufregung in der Schweiz, Österreich und Deutschland?

Weil die Botschaft unseres Artikels sehr unangenehm und mit Tabus behaftet ist. Die Botschaft lautet: Es gibt steigende Roma-Kriminalität aus dem Ausland in die Schweiz. Kriminelle Roma-Familien missbrauchen ihre eigenen Kinder für Verbrechen und Prostitution. Das sind die Fakten. Das Bild symbolisiert diese schreckliche Instrumentalisierung der Kinder. Das ist ein ernsthaftes Thema, das wir journalistisch einwandfrei aufgearbeitet haben. Wir haben auch Roma-Verbände zu Wort kommen lassen, die unsere Befunde bestätigten.

Es laufen mehrere Klagen gegen die "Weltwoche". Was sagen Sie zu diesen Klagen?

Wir haben alle Kläger eingeladen, in unserer nächsten Ausgabe ihre Klagen und ihre Kritik schreibend zu begründen und zu erklären. Stellung nehmen wollte niemand. Manche klagen, ohne die Weltwoche überhaupt gelesen zu haben. Das zeigt mir, dass es hier um eine ideologisch motivierte Kampagne geht, ein kritisches Blatt wie die Weltwoche, das Missstände unbesehen von Person und Partei aufdeckt, einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen. Das aber wird nicht passieren. Wir haben mit der Roma-Kriminalität ein ernsthaftes Problem nach bestem Wissen und Gewissen aufgearbeitet.

Erkennen Sie in Empörung und Kritik der Öffentlichkeit nationale Unterschiede?

Der Kollege aus Österreich, der Klage einreichte, der Food-Kolumnist Klaus Kamolz, schrieb mir, dass er die Weltwoche seit Jahren nicht mehr lese. Ich empfehle ihm, den Artikel zu lesen. Dann wird er feststellen, dass es hier um gravierende Missstände geht, welche unsere Zeitung sorgfältig und differenziert recherchiert hat.

Gewinnen Sie der Aufregung im Zusammenhang mit Ihrer letzten Ausgabe auch Positives ab?

Ja. Die Diskussion über den steigenden Roma-Kriminaltourismus in die Schweiz und über die Instrumentalisierung der Kinder ist jetzt im Gang.

Das Foto des Titelbilds stammt aus einer Serie des italienischen Fotografen Livio Mancini und entstand auf einer kosovarischen Mülldeponie in der Stadt Gjakova. Ist es nicht irreführend, im Text kriminelle Machenschaften jugendlicher Roma in der Schweiz zu behandeln, als Titelbild jedoch ein Roma-Kind mit Pistole auf einer kosovarischen Mülldeponie zu zeigen?

Nein. Das dokumentarische Bild symbolisiert die Verbindung von Kindern und Kriminalität in prekären Verhältnissen. Genau dies ist die Aussage unserer Recherchen. Aus Osteuropa kommen kriminelle Roma-Familien, die ihre Kinder für Verbrechen missbrauchen und unsere Justiz beschäftigen. Es geht nicht um die gut integrierten, hier lebenden Roma.

Hat Livio Mancini das Foto der Weltwoche offiziell zur Verfügung gestellt?

Der Fotograf hat das Bild genau so aufgenommen und einer Agentur gegeben, um es breit zu verkaufen.

Klaus Kamolz vergleicht die "Weltwoche" mit dem "Stürmer". Gibt Ihnen dieser Vergleich zu denken?

Ja. Ich zweifle an der Zurechnungsfähigkeit der Urheber solcher Gleichsetzungen, gerade wenn sie aus Ländern kommen, die den Nationalsozialismus und damit den "Stürmer" erfunden haben. Unsere liberale Zeitung dokumentiert mit unabweisbaren Fakten den Missstand der Roma-Kriminalität und des Missbrauchs von Kindern für Verbrechen. Es gehört zum Auftrag unserer Zeitung, die immer wieder Missstände aufdeckt, solche Probleme ans Licht zu bringen. Ich behalte mir rechtliche Schritte gegen Diffamierungen vor.

Philipp Gut, der stellvertretende Chefredaktor der Weltwoche, sagt in der Video-Pressemitteilung der Weltwoche, "das Coverbild symbolisiert den Umstand, dass Roma-Banden ihre Kinder für kriminelle Zwecke missbrauchen." Warum bringen Titel und Text die Opferrolle der Kinder nicht klarer zum Ausdruck?

Natürlich sind Kinder, die als Täter eingespannt werden, vor allem Opfer. Sie können Kinder nie verantwortlich machen, wenn sie von ihren Eltern und Familien für Verbrechen missbraucht werden. Lesen auch Sie bitte den Text. Es kommt klar und unmissverständlich zum Ausdruck, wovon die Rede ist.

Sehen Sie in der Empörung gegen das Weltwoche-Titelbild Parallelen zur öffentlichen Kritik gegen das Grass-Gedicht?

Nein.

Interview: Benedict Neff