"Viacom erwartet mehr als nur schwarze Zahlen"

- Ende Januar übernahm Giovanni Zamai als Nachfolger von Asta Baumöller die Geschäftsführung von Viva Schweiz. Bei der Neuorganisation des Musiksenders kam es auch zu einem grösseren Stellenabbau. "Eine notwendige Restrukturierung, um die ambitionierten Ziele zu erreichen", erklärt Zaima im Gespräch mit "persoenlich.com". Er will mit Viva Schweiz die erste Adresse für "Poptainment" sein. Das Interview:

Herr Zamai, Sie wurden im Zuge einer Entlassungswelle Ende Januar zum neuen Geschäftsführer von Viva Schweiz ernannt. Wie schwierig war es da, Ihrem Team die neue, harte Linie des Mutterhauses zu erklären?

Ich wurde nicht im Zuge einer Entlassungswelle neuer Geschäftsführer und musste auch keine angeordnete Härte walten lassen. Meine Vorgängerin Asta Baumöller entschloss sich, den Sender zu verlassen. Darauf wurde mir die Nachfolge angeboten.

Wer war für den Stellenabbau verantwortlich?

Als neuer Geschäftsführer will ich den Sender hochprofitabel gestalten. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, habe ich eine Strategie entwickelt. Um diese so schnell wie möglich umzusetzen, formte ich bei meinem Amtsantritt ein neues, schlagkräftiges Team. Die Neuorganisation war kein Diktat des Mutterhauses, sondern Teil meines Konzeptes.

Weshalb die Kündigungen in einer Zeit, in welcher der Sender rentabel ist? Frau Baumöller beteuerte im Interview mit "persoenlich.com" stets, dass Viva schwarze Zahlen schreibe?

Viva Schweiz schreibt tatsächlich seit längerer Zeit schwarze Zahlen. Allerdings erwartet unser amerikanisches Mutterhaus Viacom mehr als nur schwarze Zahlen. Ich habe als Geschäftsführer von Viva Schweiz eine ambitionierte Wachstumsvorgabe im zweistelligen Prozentbereich erhalten. Viacom möchte das Engagement in der Schweiz gerechtfertigt sehen.

Wie gehen Sie mit dem Druck um, den Ihnen Viacom auferlegt?

Die Vorstellungen von Viacom treffen sich mit meinen eigenen. Ich sehe mich selber als sehr ambitionierten Geschäftsführer. Ich stehe sicher vor einer Herausforderung -- dieser stelle ich mich aber gerne.

Der Stellenabbau war also eine Sparmassnahme?

Keine Sparmassnahme. Eine notwendige Restrukturierung, um die ambitionierten Ziele zu erreichen.

Wie gross ist das Team von Viva Schweiz jetzt?

Mutationen kommen in der Branche häufiger vor und Projektweise wird oft mit Freiberuflern gearbeitet, da ist es schwer genaue Angaben zu tätigen. Fakt ist, dass wir im Januar 2007 acht Kündigungen und eine Änderungskündigung ausgesprochen haben und sich unser Team heute aus 19 festangestellten Mitarbeitern zusammen setzt.

Wieviel Autonomie gesteht Ihnen das Mutterhaus heute zu?

Als Geschäftsführer von Viva Schweiz bin ich es, der grundsätzlich für den Erfolg des Senders verantwortlich ist. Meine Aufgabe besteht darin, die Erwartungen zu erfüllen, die das Mutterhaus Viacom an uns stellt. Wie ich dieses Ziel erreiche, ist mir als lokalem Spezialist überlassen, d.h. ich kann autonom über die Inhalte unseres Programms entscheiden.

Im Programmeinkauf sind Sie also frei?

Innerhalb des Budgets kann Viva Schweiz selbst über das Programm entscheiden. Wir kaufen die ausländischen Formate eigenständig ein -- zum Teil auch exklusiv für die Schweiz. Die Entwicklung eigener Sendungen beschliessen wir ebenfalls in Eigenregie. Wir haben auch keine Vorgaben, wie gross der Anteil der Schweizer Inhalte am Programm sein darf.

Wie wirkt sich Ihre Strategie auf das Programm von Viva Schweiz aus?

Die Schweizer Musik soll einen grösseren Platz denn je einnehmen. Nebst dem Programmatischen fokussieren wir auf die digitalen Medien. Wir wollen unserer Zielgruppe massgeschneiderte Content-Pakete anbieten -- sowohl on air als auch online. Viva soll in der Schweiz die erste Adresse für hochwertiges "Poptainment“ auf allen Plattformen sein.

Sendet Viva Schweiz einfach mehr Videos von heimischen Künstlern oder werden auch neue eigene Sendungen entwickelt?

Wir haben die Anzahl der Eigenproduktionen mit Schwerpunkt Schweizer Musik bereits erhöht. Die Schweizer Musik soll aber eine noch grössere Plattform erhalten. Zudem kaufen wir nur ausländische Formate ein, die für das Schweizer Publikum Sinn machen.

Wie würden Sie ihr Verhältnis zu den Call-In-Sendungen auf Viva Schweiz beschreiben?

Call-In-Shows sind ein probates Mittel um die Wirtschaftlichkeit eines Senders zu erhöhen. Leider profitieren wir als sprachregionaler Sender mit Leistungsauftrag in der Schweiz nicht vom Gebührensplitting. Bei einer anderen Regelung wären Fernsehsender wie Viva nicht dermassen auf Call-In-Shows als Umsatztreiber angewiesen und der Schweizer Fernsehmarkt würde insgesamt für ausländische Investoren attraktiver Wir sind uns der Problematik dieser Shows aber bewusst. Schaden die Call-In-Shows dem Image des Senders, muss man versuchen, sie aus dem Programm zu nehmen.