Die Redaktion der FuW wurde am Montag Nachmittag zu einer wichtigen Mitarbeiterinformation zusammengetrommelt. Im Beisein von Uli Rubner, Leiterin des Bereichs Zeitschriften, informierte Breu die Redaktion, dass er am Morgen als Chefredaktor zurückgetreten sei und bei der Tamedia gekündigt habe. Wie ein FuW-Mitarbeiter gegenüber "persoenlich.com" erklärt, kam der Weggang nicht allzu überraschend.
Mit seiner Kündigung zieht Breu einen Schlussstrich unter eine schwieriges zurückliegendes Jahr: "Es war von A bis Z eine unruhige Zeit", bilanziert er gegenüber "persoenlich.com". Breu übernahm die FuW zu einem Zeitpunkt, als sich die Stimmung in der Redaktion auf einem Tiefpunkt befand. Mit ihm sollte in der Redaktion wieder Ruhe einkehren, nachdem die Tamedia Sparmassnahmen beim Traditionsblatt anberaumt hatte.
Doch der neue Chefredaktor stand von Beginn weg zwischen den Fronten: Auf der einen Seite sah er sich einer widerspenstigen Redaktion gegenüber, die zuvor über Jahre hinweg wie ein KMU-Betrieb geführt wurde und deren oberstes Anliegen es war, die Autonomie gegenüber der Tamedia zu bewahren. Auf der anderen Seite setzte das Medienhaus darauf, dass Breu die Integration des Finanzblatts ins Mutterhaus vorantreibe. Offenbar gelang es Breu nicht, in diesem Konflikt schlichtend einzugreifen.
Aufschluss über die Gründe seines Weggang gibt ein internes Schreiben, das Breu am Montag Nachmittag an seine Redaktionskollegen versandte. "Ich bin zu diesem Schritt veranlasst worden, weil mir bedeutet worden war, ich hätte das Vertrauen zur Redaktion verloren", schreibt Breu. Auf dieser Basis sei es natürlich unmöglich, die Redaktion wirkungsvoll nach innen zu führen und nach oben mit Nachdruck zu vertreten.
Breu kam vergangenen Sommer von der HandelsZeitung, wo er als stellvertretender Chefredaktor amtete, zur Finanz und Wirtschaft. Der 49-Jährige war zuvor Wirtschaftskorrespondent des Tages-Anzeigers gewesen. Unter seiner Führung wurde die FuW einem sanften Relaunch unterzogen. Redaktionell wurde die Berichterstattung über strukturierte Anlageprodukte ausgebaut, die gestalterische Anmutung der Börsenzeitung erhöht.
Noch konnte die Tamedia keinen Nachfolger für Breu präsentieren. Interimistisch übernehmen der stellvertretende Chefredaktor Peter Schuppli und Verlagsleiter Martin Coninx gemeinsam die Leitung der Finanz und Wirtschaft. Peter Schuppli, der seit 30 Jahren für die Finanz und Wirtschaft tätig ist und bisher das Ressort Schweiz führt, wird sich in erster Linie um redaktionelle Belange kümmern. Martin Coninx, 35, ist weiterhin für die Verlagsaktivitäten der Finanz und Wirtschaft AG zuständig.