17.06.2021

Medienethik

Videos vom Gondel-Absturz nicht publizieren

In Italien appellieren Experten an die Medien, die Videos vom tragischen Gondel-Absturz nicht zu verbreiten

Nach der Ausstrahlung von Videos des tödlichen Gondel-Absturzes am Lago Maggiore haben Experten in Italien dazu aufgerufen, das Material nicht zu verbreiten.

«Sie können nur den Schmerz der Familien der Opfer und ihrer Angehörigen verschlimmern», teilte die italienische Datenschutzbehörde am Donnerstag in Rom mit. Ihr Appell richtete sich an Medien und die Internetnutzerinnen in sozialen Netzwerken.

Die Bilder, die der Behörde zufolge die letzten Augenblicke vor dem Unfall am Pfingstsonntag zeigen, trügen wenig zur Rekonstruktion des Falls bei, der in den Medien schon breit behandelt worden sei, hiess es in der Mitteilung weiter. Die Videos waren exklusiv von einem italienischen TV-Sender verbreitet worden. Darauf war zu erkennen, wie ein Bildschirm abgefilmt wurde, auf dem die Videos der Überwachungskamera in der Bergstation vom Unglückstag liefen.

Berichten zufolge soll die Polizei die Aufnahmen weitergegeben haben. Die Carabinieri dementierten dies jedoch und stellten klar, dass sie die Videos nicht verbreitet hätten, wie die Nachrichtenagentur Ansa am späten Mittwochabend schrieb.

Am 23. Mai stürzte die mit 15 Menschen besetzte Gondel an dem Berg westlich des Lago Maggiore ab. 14 Menschen verloren ihr Leben, als die Kabine an einem bewaldeten Hang zerschellte. Nur ein kleiner israelischer Junge überlebte. Das Zugseil war aus weiterhin ungeklärter Ursache gerissen.

Eigentlich hätten in diesem Augenblick die Notbremsen am Tragseil greifen müssen. Diese waren jedoch mit Klammern blockiert worden, weil sie laut Medienberichten für Störungen im Betrieb gesorgt hatten. Ein Mitarbeiter der Seilbahn steht unter Hausarrest. Die Ermittlungen zur Ursache dauern an. (sda/dpa/eh)



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