Viel Prominenz am traditionellen Tagi-Treff

Meeting im Schiffbau - Bundeskanzler Walter Thurnherr hat mit dem Referat über Trump und die Schweizerische Aussenpolitik begeistert.

Viel Prominenz am traditionellen Tages-Anzeiger-Meeting im Zürcher Schiffbau. Die Veranstaltung, die in den 1980-Jahren erstmals durchgeführt wurde und früher im Grandhotel Dolder stattfand, lockte auch dieses Jahr wieder viel lokale und nationale Prominenz in den Zürcher Schiffbau. Gastgeber Pietro Supino, VR-Präsident der TX Group und Verlegerpräsident, konnte rund 400 Gäste aus der ganzen Schweiz begrüssen. So unter anderem CVP-Präsident Gerhard Pfister, Philipp Hildebrand, Vize-Chairman von Blackrock, Roberto Balzaretti, Direktor für Europäische Angelegenheiten, oder die Verleger Peter Wanner und Hanspeter Lebrument.

In seiner Eröffnungsansprache wies Supino nochmals auf die schwierige Mediensituation hin und betonte, dass ein Grossteil der Einnahmen der TX Group – so der neue Name des Tamedia-Konzerns – nicht mehr aus dem klassischen Mediengeschäft stammten. Deswegen habe man den Firmennamen seines Unternehmens auch abgeändert. Supino betonte, dass er stolz auf Namen TX Group sei, da er auf treffende Weise den wirtschaftlichen Veränderungen in der Branche Rechnung trage. 

Schon Napoleon hatte Schwierigkeiten mit den Schweizern

Höhepunkt der Veranstaltung war die Rede von Bundeskanzler Walter Thurnherr, der vor zwei Jahren noch als Nachfolger der zurücktretenden Bundesrätin Doris Leuthard gehandelt wurde und als starker Mann innerhalb der Schweizer Regierung gilt. Der 56-jährige Aargauer beschrieb auf hintergründige und humorvolle Weise das Wesen der Schweizer Aussenpolitik. Bereits Napoleon habe von den Schwierigkeiten mit den Eidgenossen gewusst, so der Bundeskanzler. Thurnherr wies daraufhin, dass die Welt in den letzten 30 Jahren schwieriger und komplexer geworden sei. So habe noch 1989, unmittelbar nach dem Fall der Berliner Mauer, die Landesregierung auf eine eine öffentliche Beurteilung der Situation in Ostdeutschland, da dies kein «aussergewöhnliches Ereignis» sei.

Thurnherr bemängelte, dass die Schweizer Politik auch heute noch zu fest auf das Inland fixiert sei. Deswegen sei auch die Europapolitik so dominant geworden. Ein Patentrezept wäre eine breitere Vernetzung mit ausländischen Organisationen und Institutionen, so wäre beispielsweise ein verstärktes Engagement innerhalb der Uno begrüssenswert.

Im anschliessenden Gespräch mit Tagi-Chefredaktorin Judith Wittwer sprach sich Thurnherr gegen eine Erhöhung der Anzahl Bundesräte aus. Mit Trump meinte Thurnherr übrigens nicht den amerikanischen Präsidenten, sondern den deutschen Gesandten in der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges, der den gleichen Namen trug. Dieser forderte von der Schweizer Regierung die Absetzung des Chefredaktors der Berner Tageszeitung Bund. (ma)