Vielbeachteter Start für "Schawinski"

SRF - "Herr Hummler, wer sind Sie?", lautet die erste Frage.

Nach dem enormen Medieninteresse im Vorfeld der bereits im Februar angekündigten neuen Talkshow "Schawinski", war es nicht erstaunlich, dass gewisse Medienjournalisten die Sendung live mitverfolgen wollten, um für ihre Rezensionen einen kleinen Informationsvorsprung zu haben. SRF entsprach diesem Wunsch. Man organisierte zwar keine offizielle Pressekonferenz, offerierte jedoch interessierten Journalisten eine Live-Mitverfolgung im Leutschenbach.

Die sechs Medienjournalisten – von "Tages-Anzeiger", "NZZ", "20 Minuten", "Aargauer Zeitung", "Berner Zeitung" und "Schweizer Journalist" – nahmen in einem Nebenraum Platz, wo sie in Echtzeit die Sendeaufzeichnung im Studio 8 über einen Fernseher mitverfolgen konnten. "Das gibt eine Nivellierung der Berichte, wenn wir alle im selben Raum sitzen: Ich fordere Einzelkabinen", witzelte ein Journalist. Alle warteten gespannt auf den Start. Wie wird der berühmte Talker sein Fernseh-Comeback meistern? Und welches wird Roger Schawinskis erste Frage sein? Wird er den Talk wie bei Radio 1 mit der Standardfrage "Herr XYZ, wer sind Sie?" eröffnen? Dann, punkt 18 Uhr begrüsst Roger Schawinski seinen Gast, den Privatbanker Konrad Hummler. Und fragt als erstes: "Herr Hummler, wer sind Sie?"

Medienjournalisten verfolgen die Aufzeichnung der Sendung im Leutschenbach.

Das Gespräch lässt sich grob in vier Teile gliedern. Zuerst sind Hummlers Familie, seine berufliche Laufbahn im Vordergrund, bevor das Gespräch dann auf aktuelle Themen schwenkt: etwa die Krise im Geldsystem, Hummlers Anlagekommentare, welche der Bankier als Buch veröffentlicht hat oder das Verhältnis zwischen Staat und Bürgern in Steuerfragen. Dann stehen Fragen rund ums Bankgeheimnis im Fokus. Schawinski konfrontiert seinen Gast mit dem Vorfall, bei dem Hummlers Bank Wegelin einen von der Datenauslieferung an die USA betroffenen UBS-Kunden zu sich holen wollte. "Wie fühlt man sich, wenn man ein Einreiseverbot für die USA hat: Fühlen Sie sich als Krimineller?", fragt Schawinski später. Medienpolitische Themen bleiben rar – sie kommen erst ganz am Schluss zur Sprache. Kurz lenkt Schawinski das Gespräch auf Hummlers Doppelrolle als Privatbankier und NZZ-Verwaltungsrat.

Schon während der Abspann läuft, packen vier der sechs Journalisten Schreibblock oder Laptop ein und verschwinden so rasch wie möglich zurück auf die Redaktion. Sie halten ihr Urteil bedeckt, wollen sich nicht in die Karten blicken lassen. Was sie von "Schawis" erster Sendung halten, soll man am nächten Tag in der Zeitung lesen.

Und wie zufrieden ist der Gastgeber selber mit seinem Comeback bei SRF? Beim Apéro im Anschluss an die Sendeaufzeichnung sagt er: "Ich bin zufrieden. Bei der ersten Sendung weiss man ja nie so genau, wie der Rhythmus sein wird." Er habe diese Sendung so gut vorbereitet, wie noch keine andere in seinem Leben. Locker hätte er nochmals eine zusätzliche halbe Stunde Fragen stellen können, sagt Schawinski. "Ich war dann fast etwas traurig, als die Sendung schon zu Ende war und nicht alles hineingepasst hatte."

Gastgeber Roger Schawinski stösst mit Radio- und Fernsehdirektor Rudolf Matter auf die erste Sendung an.

Persoenlich.com thematisiert "Schawinski" am Dienstag auf unserem Portal und am Mittwoch im Newsletter. Von uns erfahren Sie, was Medienexperten vom Talk halten und wie Interviewprofis Schawinskis Leistung beurteilen. (eh)