"Viktor Heer, warum haben Sie Du gekauft?"

- Am Donnerstag ist offiziell bestätigt worden, dass der Niggli Verlag in Sulgen (TG) die Kulturzeitschrift Du von der Tamedia übernimmt. "persoenlich.com" hat Viktor Heer (Bild), Inhaber des Niggli Verlags, gefragt, wieviele Leute er entlässt, ob er ein Mäzen sei und ob die Tamedia ineffizient arbeite. Das Interview:

Was hat Sie dazu bewogen, Du zu kaufen?

Ich finde Du eine gute Zeitschrift. Zudem haben wir mit der Archithese ein Produkt, das auch in einem hochwertigen Segment positioniert ist. Hier entstehen Synergien.

Die kommerziellen Möglichkeiten waren demnach auch ein Faktor für Ihren Entscheid?

Mein Entscheid ist in erster Linie emotional. Selbstverständlich muss Du aber auf eine solide Basis gestellt werden.

Du fährt seit Jahren Verluste ein, die NZZ am Sonntag nannte eine halbe Million Franken jährlich. Was werden Sie besser machen als die Vorbesitzerin Tamedia?

Wir haben schlankere Strukturen und werden die Synergien von Verlag Niggli, Archithese und Du nutzen. Mit einem sauberen Controlling können wir mittel- bis langfristig Erfolg haben.

Sie glauben also, dass die Tamedia hier ineffizient arbeitete?

Nein, das habe ich nicht gesagt. Ein Grossverlag, der nicht in unserem Business ist, kann dieses Produkt nicht gleich bewirtschaften wie wir.

Am grundsätzlichen Charakter und der monothematischen Ausrichtung von Du wollen Sie gemäss Communiqué nichts ändern. Warum soll die Zeitschrift bei der Leserschaft dann mehr Erfolg haben?

Natürlich wird sich etwas ändern. Es wird einen Relaunch geben und Anpassungen bei Themenwahl und Inhalten. Damit möchten wir ein breiteres Publikum ansprechen. Wichtig ist aber, dass wir die Qualität und das hohe Niveau beibehalten wollen.

Mit hohem Niveau die Massen ansprechen -- das tönt wie die berühmte Quadratur des Zirkels...

Viele Leute ansprechen heisst vor allem, dass wir andere Altersklassen erschliessen wollen. Du ist ein Kultprodukt, dass auch die Jungen kennen müssten.

Das ist auch die Ansicht des jetzigen Du-Chefredaktors Christian Seiler. Wird er bleiben können?

Zum Personellen kann ich noch nichts sagen. Wir sind in diesem Moment auf dem Weg nach Zürich, um die Redaktion kennen zu lernen.

Über das Schicksal der bestehenden Redaktion entscheiden Sie Ende Oktober. Wird sich die Zahl der Stellen ändern?

Unser Wunsch ist es, einen grossen Teil der Belegschaft zu übernehmen. Über Details kann ich derzeit aber noch nichts sagen.

Stellenkürzungen können Sie demnach nicht ausschliessen?

Du muss wirtschaftlich arbeiten können.

Die Redaktion soll in Zürich bleiben. Gibt es in den Büroräumen der Archithese noch genügend Platz?

Nein, wir brauchen grössere Räumlichkeiten. Eine gemeinsame Nutzung der Infrastrukturen bietet sich aber an.

Sie planen also auch eine redaktionelle Zusammenarbeit der beiden Produkte?

Auch hier wird es Synergieeffekte geben.

Wer wird Du künftig drucken?

Unsere Druckerei, die Heer Druck AG in Sulgen.

Haben Sie Du auch gekauft, um die Auslastung der Maschinen zu erhöhen?

Nein, das Produkt hat seine Chancen auch so.

Sie planen eine Expansion über die Landesgrenzen. Wo nehmen Sie die zweifellos enormen Mittel her, die es für ein entsprechendes Marketing braucht?

Du ist vom Vertrieb her näher am Buch- als am Zeitschriftenmarkt. Der Niggli Verlag erwirtschaftet heute siebzig Prozent seines Umsatzes im Ausland, fünfzig Prozent stammen allein aus Deutschland. Die bestehende Vertriebsstruktur können wir nun auch für Du nutzen. Heute macht Deutschland einen Drittel des Absatzes von Du aus. Mein Ziel ist eine markante Erhöhung.

Auffallend ist, dass mit Hochparterre noch ein zweiter Architektur-Verlag mitgeboten hat. Was macht Du für die Zielgruppe der Architekten und Architekturliebhaber so interessant?

Du hat einen hohes Prestige. Viele unserer Abonnenten und Käufer lesen die Zeitschrift, das hat die Leserschaftsforschung ergeben.

Warum, glauben Sie, hat sich die Tamedia unter allen Bietenden für den Niggli Verlag entschieden?

Wohl weil wir ein eigenständiger Schweizer Verlag sind, der sowohl mit seiner Zeitschrift, als auch mit dem Buchverlag sehr erfolgreich ist. In zweiter Linie war das eine emotionale Sache. Die Verkäufer merkten, dass uns das Produkt am Herzen liegt. Dieses Engagement ist für Du wichtig.

Kannten Sie Hans Heinrich Coninx schon, bevor Sie Du kaufen wollten?

Nicht persönlich.

Sie sind ein Mäzen?

Sowohl Niggli Verlag als auch Archithese hatten das gleiche Problem wie Du, als ich sie kaufte. Ein bisschen Mäzenatentum braucht es.

Haben Sie für Du mehr als 50'000 Franken bezahlt?

Zu den Verkaufsmodalitäten geben wir keine Auskunft.