Die Affäre um abgehörte Telefone und bestochene Polizisten hat nach Ansicht des britischen Vize-Premierministers Nick Clegg das Vertrauen der Bevölkerung in ihren Staat nachhaltig gestört. Die Privatsphäre von unschuldigen Menschen sei auf abscheuliche Weise verletzt worden. Clegg bestätigte am Donnerstag in London, dass er mit Premierminister David Cameron nicht einig war, als es nach der gewonnenen Wahl im Mai 2010 um die Einstellung von Camerons persönlichem PR-Berater Andy Coulson als Regierungssprecher ging. Coulson war zuvor Chefredaktor der Skandalzeitung "News of the World" und wegen der Abhöraffäre von diesem Amt bereits zurückgetreten.
Clegg sagte am Donnerstag, es sei "die Entscheidung des Premierministers" gewesen, Coulson auch in der Downing Street einzustellen. Cameron habe von Anfang an gesagt, er werde dafür die Verantwortung tragen. Der Liberaldemokrat Clegg sieht in der Abhöraffäre auch eine Chance für Grossbritannien, die Medienszene aufzuräumen. "Düstere Praktiken und anrüchige Verbindungen haben ihren Weg mitten ins Herz des britischen Establishments gefunden", sagte Clegg. Damit müsse Schluss sein. (sda)