"Vogt Schild hat nicht mit Tamedia verhandelt"

Christian Müller - Vogt Schild CEO im Interview.

Vogt Schild wird also von der AZ Medien Gruppe gekauft. Warum?

Vogt Schild wird also von der AZ Medien Gruppe gekauft. Warum?

War die Megafusion von Tamedia und Edipresse Grund für den Zusammenschluss?

Nein, die Übernahme war schon vorher angedacht und aufgegleist.

Hätte Vogt Schild denn auch alleine überleben können?

Theoretisch ja, aber wir hätten die Gewinne aus den Anzeigern, Zeitschriften und aus dem Druck für die Subventionierung der Zeitung "brauchen" müssen. Das ist kein sinnvolles Business-Modell.

Wird die Medienkonzentration weiter gehen? Wenn ja, welche Verlage wird es betreffen?

Ja, sie wird weitergehen. Ich denke aber nicht, dass meine persönliche Prognose hier relevant ist. Wichtig ist, dass wir verhindern, dass ein Medienunternehmen die ganze Schweiz medienmässig in den Sack steckt.

Wie sieht künftig das Mitspracherecht der Solothurner aus?

Die publizistische Eigenständigkeit wird erhalten bleiben. Der Verleger Peter Wanner ist ein intelligenter Mann und ein cleverer Medien-Manager: Er weiss, dass er im Marktgebiet der Solothurner Zeitung nur erfolgreich sein kann, wenn er die Solothurner Zeitung eben als Solothurner Zeitung - mit Solothurner Eigenständigkeit! - leben und fliegen lässt.

Kommt es zu einem Stellenabbau?

Konkret gibt es keine solchen Pläne. Aber natürlich spielt die Konjunktur bei dieser Frage eine wichtige Rolle. Wenn es zu einem Stellenabbau kommen sollte, dann eher wegen der Wirtschaftskrise als wegen der Übernahme der Vogt-Schild Medien Gruppe durch die AZ Medien Gruppe.

Sie scheiden aus dem Unternehmen altersbedingt aus. Sie gehen in Pension. Warum haben Sie nicht Einsitz im Verwaltungsrat?

Fragen Sie das die Eigentümer.

Hat Ihnen auch Tamedia ein Angebot gemacht? Sie kennen Herrn Kall ja sehr gut.

Verhandelt habe ja nicht ich, sondern die Mehrheitsaktionärin, die Gottliieb und Hans Vogt-Stiftung. Aber ich weiss, dass die Stiftung mit der Tamedia nicht verhandelt hat. Die AZ Medien Gruppe ist seit Jahren ein bewährter Partner der Vogt-Schild Medien Gruppe.

Wie stark ist nun das AZ Medien Imperium? Stark genug, um Tamedia die Stirn zu bieten?

Stark genug, um im Raum zwischen den Metropolen Zürich, Bern und Basel eine eigene Stimme zu erhalten.

Einst sagten Sie, dass die Vogt-Schild Medien bereit stünde, falls die Tamedia den "Bund" einstellt. Sie erwägten mit der "Berner Rundschau" in die Stadt Bern zu expandieren. Wird das jetzt AZ Medien Boss Peter Wanner tun?

Der "Bund" wird eingehen, die Idee, den "Bund" als Regionalausgabe des "Tages-Anzeigers" herauszugeben, ist gut gemeint, aber nicht realistisch, da der "Tages-Anzeiger" und die "BZ" in Bern spätestens in drei Jahren eh den gleichen nationalen und internationalen Mantel haben werden - aus Kostengründen. Ich selber spiele im ganzen Szenarium eh keine Rolle; ich leide nicht an Selbstüberschätzung.

Wie sehen Ihre persönlichen Pläne aus?

Ich war bekanntlich zwischen 1998 und 2003 freier Consultant und habe deshalb auch noch eine Consulting-Firma (commwork AG). Schlecht gelebt habe ich damals nicht. Diese Firma werde ich reaktivieren. Ausserdem habe ich eben in ein CMS investiert, da ich auch Internet-Projekte habe. Aber Achtung: bis am 31. Mai bin ich CEO der Vogt-Schild Medien Gruppe, und bis dann werde ich wie bis anhin 14 Stunden am Tag oder 80 Stunden in der Woche für die Vogt-Schild Medien AG arbeiten.

(Interview via Mail: Christian Lüscher)