Volksmusik-Bann wird zum Politikum

DRS1 - Fernmeldekommission lädt SRG-Direktor Walpen vor.

Keine Volksmusik mehr auf DRS1: Deshalb müssen SRG-Generaldirektor Armin Walpen und DRS1-Programmleiter Christoph Gebel bei der Fernmeldekommission (KVF) des Nationalrats antraben. Das beschloss die KVF am Dienstagabend. Wunschtermin seiner Kommission sei bereits die nächste Sitzung am 10. September, bestätigte KVF-Präsident Franz Brun (CVP/LU) am Mittwoch Berichte in der Berner Zeitung und in der Neuen Luzerner Zeitung" Der Entscheid, die beiden Medienleute "vorzuladen", sei einstimmig gefallen. Wie Brun erklärte, ist die KVF der Meinung, dass eigentlich alle Musikrichtungen auf DRS1 gespielt werden müssten, eben auch Ländler, Jodellieder und Blasmusik.

Der Entscheid von DRS1, die volkstümlichen Sendungen auf der DRS Musigwälle auszustrahlen, betreffe vor allem ältere Personen. Da die Musigwälle nur auf DAB oder über Kabel empfangbar sei, stehe gerade dieser Hörerkreis vor Herausforderungen. Weiter verwies Brun auf die vielen Musikvereine in den Dörfern und Städten. Diese böten Jugendlichen sinnvolle Freizeitaktivitäten und seien in der Kultur des Landes verankert. DRS1 müsse das würdigen.

Bei dem Treffen mit den Programmverantwortlichen werde die Kommission diese Überlegungen einbringen und ein Rückkommen auf den Entscheid fordern. Eigentlich sei die KVF für das Radio- und Fernsehgesetz zuständig und nicht für Programmfragen, sagte Brun. Ihre Überlegungen wolle die Kommission aber einbringen. Notfalls werde die KVF bei Medienminister Moritz Leuenberger intervenieren.

Heftige Kritik am Entscheid

Der Auslagerungsentscheid war auf heftige Kritik gestossen. Die Volksmusik verliere durch die Verschiebung aus dem meistgehörten Sender der Schweiz an Gewicht, monierte die IG Volkskultur. Zudem spiele die Musigwälle schwergewichtig volkstümliche Schlager, was mit authentischer Volksmusik wenig zu tun habe.

Im SVP-Pressedienst schrieb der Zürcher Nationalrat Ernst Schibli von einer Frontalattacke auf "das verwurzelte Brauchtum Volksmusik und die heimatliche Kultur". Schibli vermutete hinter dem Entscheid "politische Grundlagenarbeit für eine bestimmte politische Partei", da Volksmusik gelegentlich mit bürgerlichem Gedankengut verbunden werde. (sda)