"Volksmusik ist urchig, Schlager ist Herz-Schmerz-Gesang"

- Am Samstag heisst es zum letzten Mal "Hopp de Bäse". Nach 270 SF-Sendungen verabschiedet sich Kurt Zurfluh (63) vom TV-Publikum und geht in Pension. Wie schwierig war es damals, die Nachfolge von Länderpapst Wysel Gyr anzutreten? Persoenlich.com hat sich mit ihm über Playback in der Volksmusik, seine zeitlose Jugendlichkeit und übers Thailändisch lernen unterhalten. Das Interview:

Herr Zurfluh, Sie treten von der Bühne ab und die Schweiz beschäftigt sich mit Ihrem Aussehen, Ihrer steten Jugendlichkeit und Ihrem gebräunten Teint (vgl. z. B. Blick). Irritiert Sie das?

(lacht) Das ist beim Fernsehen halt so. Jeder Moderator macht die Erfahrung, dass sich das Publikum und die anderen Medien mit seinem Äusseren auseinandersetzen. Die Leute interessiert es, welche Krawatte man trägt und wie man frisiert ist. Im Boulevard mag dieses Phänomen noch zugespitzter sein, mich stört das aber nicht.

Sehen Sie sich selbst gern im Fernsehen?

Ich schau mir die eigenen Sendungen nie an. Eine Ausnahme ist vielleicht meine letzte Sendung von "Hopp de Bäse". Diese werde ich mir auf eine CD brennen. Sehen Sie, ich habe keine Kinder und keine Grosskinder. Diese Sendungen interessieren bald niemanden mehr.

Aber Sie wurden sicher auch mal von anderen mit Bildern, Ton- oder Fernsehaufnahmen konfrontiert.

Früher gab es ja keine Manöverkritik. Als ich zum Fernsehen kam, war das Motto "learning by doing". Entscheidender war die Resonanz im Publikum und dieses war dem Moderator im Allgemeinen wohlgesinnt. Eine Ausnahme stellt natürlich der Sport dar: Schon vor 40 Jahren war hier jeder ein Fachmann und die Urteilsfähigkeit des Moderators wird seit jeher in Zweifel gezogen.

Sie haben 1996 die Nachfolge vom Ländlerpapst Wysel Gyr angetreten.

Ja. Das Hauptproblem dabei war, dass ich damals vom Sport ins Volksmusikformat kam. Die Kritiker fragten laut: Kann der das überhaupt, eine Volksmusiksendung moderieren? Wysel Gyr hatte zuvor die Volksmusikszene in der Schweiz während 30 Jahren geprägt. Ich versuchte von Anfang an meinen eigenen Stil durchzusetzen: Ich wollte der Musik vor allem anderen den Vorrang geben. Ich nahm mich als Moderator zurück und führte keine langen Gespräche. Die Leute wollen schliesslich Musik hören.

Wie hat sich die Ländlermusik in den letzten Jahrzehnten verändert?

Die Musik hat sich nicht gross verändert. Wir machten in Hopp de Bäse aber eine technische Änderung. Die ersten drei Jahre spielten wir Live-Musik. Und ich fragte mich ständig, wieso diese Musikanten nicht lächelnd und freundlich in die Kamera schauen können. Als ich mich endlich bei diesen erkundigte, hiess es, sie müssten sich so auf das Spielen konzentrieren, dass sie sich zusätzlich nicht auch noch um einen freundlichen Gesichtsausdruck kümmern könnten. Deshalb führten wir nach drei Jahren Playback ein.

Besteht darin nicht ein Widerspruch, wenn Sie sagen, die Musik sei das Wichtigste und gleichzeitig setzten Sie auf Playback?

Vielleicht ist das so, aber Fernsehen ist eben Fernsehen. Das Bild dominiert.

Stört es Sie, dass zwischen Schlager und Ländler ausserhalb der eingeweihten Musikfans wenig differenziert und alles in denselben Topf geworfen wird?

Mich stört das nicht, anders ist es mit eingefleischten Volksmusikfans: Diese lehnen Schlager strikt ab. Wir haben bei "Hopp de Bäse" hie und da auch einzelnen Schlagersängerinnen eine Plattform gegeben und dafür zum Teil sehr negative Reaktionen aus unserem Stammpublikum erhalten.

Was ist denn der genaue Unterschied zwischen Volksmusik und Schlager?

Volksmusik ist etwas Urchig-Bodenständiges, Schlager halt schon eher Herz-Schmerz-Gesang.

Geht es mit "Hopp de Bäse" weiter?

Nicolas Senn macht eine Nachfolgesendung, die Potzmusik heisst. Senn ist erst 23 Jahre alt, er spielt sehr gut Hackbrett und wird wohl selber musizierend in die Sendung eingreifen. Ich schätze, dass diese Sendung eher wieder auf Live-Musik setzen wird.

Wie kam es eigentlich zum Namen "Hopp de Bäse"?

Der Name ist eine Fantasie und war dazumal vor allem eine ungeschützter Begriff. Der Name wird ja in der Mundart zum Teil noch verwendet und soll zum Ausdruck bringen: Jetzt geht’s rund, jetzt wird’s lustig, es geht hoch zu und her. Klar, der Name hat mir dann all die Fotos von mir mit Besen eingebrockt.

Ist das ein Klischee oder ist das Publikum von Volksmusiksendungen tatsächlich alt?

Die Einschaltquoten sind sicher vor allem bei einem älteren Publikum hoch. Ein Grund hierfür ist natürlich auch die Sendezeit: Junge Leute sitzen halt um 18.45 Uhr nicht unbedingt vor dem Fernseher. Ähnlich verhält es sich ja etwa auch beim Jassen im Fernsehen. Bei den Veranstaltungen selbst haben wir aber auch ein jüngeres Publikum, das sich amüsieren und bei guter Musik ihr Fest haben will.

Wirken Sie deshalb so jung, weil Ihr Fernsehpublikum einfach älter ist und ausschaut?

(lacht) Vielleicht wirke ich tatsächlich nur auf dem Bildschirm so jung. Die Wahrnehmung des Alters ist doch sowieso Ansichtssache.

Sie lernen Thailändisch. Planen Sie auszuwandern?

Nein, ich versuche mich einfach auf Trab zu halten. Ich bin viel unterwegs im asiatischen Raum, in Thailand kann ich mich so mit den Leuten wenigstens ein bisschen unterhalten. Andere fahren Velo, kochen - ich lerne Thailändisch, um à jour zu bleiben.

Welche weiteren Pläne haben Sie für Ihre Pension?

Ich werde weiterhin Radio machen. Einmal pro Woche mache ich Beiträge zu Volkskultur- und Brauchtum auf der DRS-Musikwelle machen. Zudem werde ich einmal pro Woche eine Volksmusik-Kolumne im "Bote der Urschweiz" schreiben. Ich schreibe Kritiken, Portraits und über Trends in der Volksmusikszene. Natürlich möchte ich auch viel Sport machen. Ich setze mich aufs Velo und im Winter werde ich jeden zweiten Tag auf der Skipiste sein. Ich wollte immer einen sanften Ausstieg aus dem Berufsleben. Und ich wollte gehen, bevor ich den Leuten überdrüssig bin. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.

Posieren mit dem Reisbesen: Der Name der Sendung hat Kurt Zurfluh diese Fotos eingebrockt. (Bild: SRF)

Elegant und konstant braun gebrannt. (Bild: Eric Bachmann)

42 Jahre lang arbeitete Kurt Zurfluh am Leutschenbach. Weitere, auch ältere Bilder, finden Sie auf blick.ch.

Interview: Benedict Neff.