24.02.2021

SRG

Vom Flugplatzsender zum Medienunternehmen

Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR wird 90 Jahre alt. Zum Jubiläum gibt es eine spezielle Kollektion von Dokumentarfilmen auf der neuen Streaming-Plattform Play Suisse. Die Filme geben Einblick in die Geschichte des Medienunternehmen.
SRG: Vom Flugplatzsender zum Medienunternehmen
Ab 1953 führte die SRG einen offiziellen Fernsehbetrieb ein. (Bilder: SRG)

Die ersten öffentlichen Radiosender in der Schweiz waren Flugplatzsender in Lausanne, Genf und Zürich. Sie verbreiteten Meldungen und Wetterberichte für die Fliegerei, dazwischen wurde Musik ab Schallplatten gespielt, sukzessive kamen allgemeine Nachrichten und die Verbreitung von Sportresultaten dazu. Am 24. Februar 1931 schlossen sich die sieben regional entstandenen Organisationen zum Verein Schweizerische Rundspruchgesellschaft (SRG) zusammen.

Die SRG erhielt damals vom Bundesrat die alleinige Konzession für Radiosendungen in der Schweiz. Informationen durften vertraglich vorgeschrieben nur von der Schweizerischen Depeschenagentur SDA bezogen werden. Als 1938 Rätoromanisch als vierte Landessprache der Schweiz anerkannt wurde, fing das Radiostudio Zürich an, Beiträge auch in rätoromanischer Sprache zu senden.

«Geistige Landesverteidigung»

An der Landesausstellung von 1939 präsentierte die ETH Zürich erstmals in der Schweiz die neue Fernsehtechnik. Während des Zweiten Weltkriegs unterstützte die SRG mit ihren drei Landessendern, Radio Beromünster (Deutsch), Radio Sottens (Französisch) und Radio Monte Ceneri (Italienisch) die «Geistige Landesverteidigung».

Die Sendungen zur politischen und militärischen Lage wurden weltweit über Kurzwelle gesendet. Radio Beromünster, benannt nach dem Landessender Beromünster im Kanton Luzern, galt damals als der einzige «freie» deutschsprachige Sender Europas. Ab 1953 führte die SRG einen offiziellen Fernsehbetrieb ein. An fünf Abenden pro Woche wurde in der Region Zürich ein einstündiges Programm gesendet. 1954 gründete die SRG gemeinsam mit acht anderen europäischen Fernsehstationen die Eurovision.

1958-Definitiver-Fernsehbetrieb

1957 erhielt die SRG die erste offizielle Fernsehkonzession der Schweiz. Ab Mitte 1958 wurden die Sendungen in Zürich durch deutsch- und französischsprachige Sendungen aus Zürich und Genf ergänzt, der Sender der italienischen Schweiz übertrug Programme aus den anderen Landesteilen mit italienischen Kommentaren 1961 erhielt die italienische Schweiz ein erstes eigenes Fernsehstudio im Tessin, und 1963 wurde die erste rätoromanische Sendung ausgestrahlt.

DRS 3, Teletext und Rete Tre

In den 1970er-Jahren konnte die SRG neue Fernsehstudios in Genf, Zürich und Comano in Betrieb nehmen. Ab 1971 wurden die Radionachrichten nicht mehr von der SDA produziert, sondern gingen in die Verantwortlichkeit der SRG über. 1983 wurde das dritte Programme für das jugendliche Publikum eingeführt: DRS 3 und Couleur 3. Und ab 1984 gab es auf den Schweizer Fernsehsendern erstmals Teletext. Im selben Jahr startete die SRG gemeinsam mit dem deutschen ZDF und dem österreichischen ORF das gemeinsame Programm 3sat und mit französischen und belgischen TV-Partnern den französischsprachigen Sender TV5 Monde.

1988 wurde das Tessiner Programm Rete Tre lanciert. 1997 wurden die insbesondere für den Sport so wichtigen zweiten TVProgramme SF 2, TSR 2 und TSI 2 in Betrieb genommen und der bisherige Telefonrundspruch durch die drei Swiss Satellite Programme Radio Swiss Pop, Radio Swiss Jazz und Radio Swiss Classic ersetzt.

1999 lancierte Schweizer Radio International die erste Internetplattform der SRG: swissinfo.ch ermöglichte den weltweiten Zugang zu den SRG-Programmen und zu Informationen aus der Schweiz. 2010 wurden Radio Suisse Romande (RSR) und Télévision Suisse Romande (TSR) zu Radio Télévision Suisse (RTS) zusammengeschlossen. 2011 erfolgte der gleiche Schritt in der Deutschschweiz, als Schweizer Radio DRS (SR DRS) und Schweizer Fernsehen (SF) zu Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) vereint wurden.

Spezielle Filme zum Jubiläum

Am 4. März 2018 lehnte die Schweizer Stimmbevölkerung eine Volksinitiative zur Abschaffung der Medienabgabe mit 71,6 Prozent ab. Die SRG leitete danach umfangreiche Transformationsmassnahmen ein, und aufgrund sinkender Werbeeinnahmen setzte sie millionenschwere Sparmassnahmen um. Covid-19 hat diese Sparbemühungen zusätzlich befeuert, wenngleich sich die Programme während der Pandemie überdurchschnittlicher Beliebtheit erfreuten. Am 7. November 2020 ging die neue Streaming-Plattform Play Suisse live und generierte bis heute bereits mehr als 200'000 Abonnentinnen und Abonnenten.

«Ein Blick in die Geschichte der SRG ist wie ein Blick in die Geschichte der Schweiz», wird SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina in einer Mitteilung der SRG zitiert. «Wir leisten heute und in Zukunft mit hervorragenden und professionellen Mitarbeitenden einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt dieses Landes, erbringen einen gesellschaftlichen Mehrwert für die Menschen in der Schweiz und für unser Publikum in vier Sprachen, verankert in allen Landesteilen und auf allen Kanälen.»

Die SRG möchte zu ihrem 90-Jahr-Jubiläum einen Einblick in die Entwicklung der letzten Jahrzehnte geben. Auf der Streaming-Plattform Play Suisse wurde deshalb eine Reihe von Dokumentarfilmen aus allen Sprachregionen zusammengestellt. Darunter finden sie Filme wie «Die Entstehung der Tagesschau», «Qui Marco Blaser» oder «Im Kreuzfeuer – wie die SRG unter Druck kam». (pd/lom)



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