Vom Klimaschützer zum Fernseh-Revoluzzer

Al Gore - Google und Lonely Planet sind Partner von Current TV.

Ex-US-Vizepräsident, Umweltaktivist und Oscarpreisträger Al Gore hat im Rahmen des Starts der britischen Version von Current TV bekannt gegeben, dass sein Fernsehkanal einer Revolution im Mediensektor gleichkommt, die der Erfindung des Buchdrucks in nichts nachsteht. Der gemeinsam mit Joel Hyatt 2005 gegründete TV-Kanal mit dem Anspruch das Fernsehen zu demokratisieren, besteht zu einem Drittel aus user-generated Inhalten in Form von drei- bis acht-Minuten langen Video-Pods. Current TV peilt die Zielgruppe der 18- bis 34-Jährigen an, die sich von der Wirkung des klassischen Fernsehens nicht mehr verzaubern lassen, wie seinerzeit Gores Generation. Auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender machen sich bereits Gedanken über die Rolle von user-generated-content in ihrem Angebot.

Traditionelle Medien sind aus Gores Sicht zentralisiert und versperren sich gegen die Reaktionen ihres Publikums. Gore prägt in diesem Zusammenhang in einem Interview mit der Times Online den Begriff "Medien-Feudalismus". Aber ganz auf Filter kann auch er nicht bei seinem Fernseh-Abenteuer verzichten. "Unser Filter heisst Qualität", versicherte Gore am Montag bei der Präsentation in London. Auch sein politischer Hintergrund werde das Programm nicht beeinflussen, so Gore. "Sie werden eine Reihe an Beispielen finden, die für Toleranz und gegen Hass plädieren", beschreibt Gore die Ausrichtung des Kanals.

Neben dem von den Nutzern selbst kreiertem Material wird es stündlich eine dreiminütige Zusammenfassung der meistgesuchten Suchbegriffe bei Google geben. Eine Sendung über Reiseerfahrungen wird vom Reiseführer-Buchverlag Lonely Planet angeboten und die British Library ist mit dem Projekt "The Current Diary of Great Britain" an Current TV beteiligt. Im Rahmen dieses Projekts wird monatlich ein Video gewählt, das in ein Register der British Library aufgenommen wird, um es für zukünftige Generationen zu bewahren.