Vor dem Abgang noch eine SI-Homestory

Roger Köppel - "Ideologien interessieren mich nicht, mich interessieren Realitäten."

Roger Köppel, Noch-Chefredaktor der Weltwoche, hat sich für die aktuelle Ausgabe der Schweizer Illustrierten einer Homestory gestellt. Das Gespräch in Köppels "Studenten-Bude" drehte sich um den befürchteten Exodus unter den Welt-Redaktoren, Köppels Selbstverständnis als Neoliberaler und den Zenit der SVP.

Vor ihm müsse sich niemand fürchten, meinte Köppel auf die Frage, wieviele Welt-Redaktoren seit Bekanntwerden seines neuen Engagements schon gekündigt hätten. Dass er bei der Weltwoche Leute mit den Worten "Bad News for you" rausgestellt habe, streitet Köppel de facto ab: "Das sind doch alles Mythen. Ich habe einen direkten Stil, drum sagte ich den Leuten auch direkt, wenn ich mit ihnen nicht mehr zusammenarbeiten wollte", so Köppel gegenüber der SI. Als knallharten Hund will Köppel sich aber trotzdem nicht bezeichnen. Er führe seine Redaktion nicht nach einer Imagestrategie: "Ich bin weder ein Clint Eastwood- noch ein Mutter Teresa-Chef. Arbeitsverhältnisse sind für mich professionelle Verhältnisse", so Köppel.

Klare Vorstellungen hat der Weltwoche-Chef auch in seinem Selbstbild. Ein Eklektiker sei er, und er habe keine Hemmungen in Kontroversen einzusteigen. Sich deswegen flegelhaftes Verhalten vorwerfen lassen will Köppel aber deswegen nicht. "Ich bin doch nicht schnoddrig", so seine Replik auf den entsprechenden Vorwurf. "Ich will mir einfach später nicht vorwerfen müssen, ich hätte interessante Erfahrungen verpasst, nur weil ich auf zu viele Bedenkenträger gehört habe."

Die These, es gebe zwei Köppel -- einen stillen, leisen, netten und einen knallharten -- qualifiziert dieser genauso als Klischee ab, wie den Vorwurf, er sei ein Rechter: "Ich bin kein Rechter. Wenn schon, bin ich, um einen Kampfbegriff zu verwenden, ein Neoliberaler", so Köppel. Denn rechts, das heisst für ihn "Nationalprotektionismus, Autoritätsglaube, kulturell rückwärts gewandt, interessiert an der Festschreibung von Verhältnissen". Das sei nicht sein Programm, wie Köppel versichert. Er habe einen angelsächsischen, wirtschaftsliberalen Zug in seinem Wirken, sagt er, um gleich anzufügen: "Ideologien interessieren mich nicht, mich interessieren Realitäten."