"Vor dem Terror nicht zurückweichen"

Terror in Paris - Auszüge aus den wichtigsten Zeitungen Europas zeigen die Betroffen- aber auch Entschlossenheit der Menschen.

Für Frankreichs Presse sind die Anschläge in Paris ein "Krieg mitten in Paris". In Leitartikeln wird dazu aufgerufen, "dem Terror die Stirn zu bieten".

Viele Regionalzeitungen titeln mit "Blutbad in Paris", die Sportzeitung "L'Equipe" schreibt "Das Grauen" auf schwarzem Blatt.

Auszüge aus den wichtigsten Zeitungen Frankreichs

Le Figaro: "Alle Antiterror-Experten haben einen Grossangriff in Frankreich erwartet. Die Eingreiftruppen haben sich schon lange auf diese Art von Anschlägen auf verschiedene Ziele vorbereitet".

Le Parisien: "Wut und Abscheu: Das empfindet man angesichts der Morde, die die Täter in Paris mit der üblichen Feigheit der Terroristen verübt haben. Im Namen der Märtyrer vom Freitag, der unschuldigen Opfer und im Namen der Republik wird Frankreich vereint bleiben und dem Terror die Stirn bieten".

Le Républicain lorrain: "Elf Monate nach den Anschlägen vom Januar hat der Terrorismus wieder getötet. Im grossen Ausmass. Blind und ohne Mitleid".

La Dépêche du midi: "Paris ist angegriffen. Paris ist die Zielscheibe. Paris wird wieder einmal verletzt, auf blutige, erschütternde und entsetzliche Weise. Nur wenige Tage, bevor die Staatschefs zum UNO-Klimagipfel in der französischen Hauptstadt landen, (US-Präsident) Obama, (der russische Präsident) Putin und andere. Der Terrorismus hat vor aller Augen seine Schlagfähigkeit demonstriert, und hat gezeigt, dass er durch Massenmorde ein Entsetzen auslösen kann, das auf Frankreich, aber auf die gesamte Welt zielt. Der Notstand klingt wie ein Signal des Krieges".

La Charente libre: "Die Opfer der Anschläge sind das entsetzliche Zeugnis eines weltweiten Krieges, der Frankreich gegen seinen Willen zu einem der wichtigsten Schlachtfelder macht".

Ouest-France: "Dieser Krieg wird uns aufgezwungen. Dies erfordert von jedem Bürger eine Solidarität, um den Bedrohungen und Angriffen zu widerstehen. Wir müssen angesichts dieses Dramas einen kühlen Kopf bewahren, und Entschlossenheit zeigen".

L'Union: "Dieses Land wird den Terroristen niemals nachgeben. Die Heimat der Menschenrechte wird sich niemals von diesen Terrorgruppen beeindrucken lassen, deren Methoden und mörderischer Hass die Unterschrift trägt, die alle Welt erkannt hat. Wir werden die Barbarei nicht hinnehmen".

Reaktionen der Schweizer Presse

Die "SonntagsZeitung" schrieb auf der Front "Die Tränen nach dem Terror" und die "NZZ am Sonntag" berichtet über Präsident Hollands Reaktion mit der Schlagzeile: "Das ist ein Kriegsakt".

Am Samstag, am Tag nach den Anschlägen in Paris, regierten nüchterne Berichte in den Deutschschweizer Medien - im Gegensatz zu den Zeitungen in der Romandie.

"Terror in Paris: Geiselnahme, bewaffnete Angriffe, Explosionen", titeln etwa "Bund" und "Tages-Anzeiger", "Dutzende Tote bei Attentaten in Paris", heisst es in der "Neue Zürcher Zeitung". "Viele Tote bei Schiesserei und Geiselnahme in Paris" steht auf der Titelseite des St. Galler Tagblatts.

"Terror in Paris" heisst es neben dem Titelbild der "Nordwestschweiz" und auch die "Berner Zeitung" hat diese Formulierung gewählt. "Mehrere Terroranschläge in Paris" lautet die Überschrift in der "Basler Zeitung".

Der "Blick" titelt mit roten Lettern auf schwarzem Grund: "Terrorwelle überrollt Paris" und spricht von Dutzenden Toten. Ebenfalls anschaulich beschreibt "Le Nouvellist" die Vorgänge in der französischen Hauptstadt: "Paris unter Feuer und Blut", heisst es da.

Der "Quotidien jurassien" berichtet vom "Horror in Paris", während sich "Le Matin" der Ausdrücke "Blutbad" und "Abend des Terrors" bedient.

Sachlich bleiben derweil "L'Express" und "L'Impartial", die schreiben: "Angriffe und Explosionen: mindestens 18 Tote". Die "Tribune de Genève" hält fest: "Paris von einer Serie von Terroranschlägen getroffen". In der Berichterstattung ist dann aber auch hier von "Kriegsszenen in Paris" die Rede.

Die meisten Zeitungen haben ihre Titelseiten noch umgestellt, obwohl die Nachrichten über die Vorfälle in Paris erst spät am Abend und tröpfchenweise eintrafen.

Europa will aufmerksame Geheimdienste, aber keine Paranoia

Die europäische Presse betont die Einigkeit, mit der man nun die eigenen Werte verteidigen müsse. Der grösste Feind sei aber die eigene Angst.

Berliner Morgenpost: "Die Schüsse von Paris hätten jeden von uns treffen können. Blindwütig wurde auf Menschen gefeuert. Terrorismus erscheint als wirre Brutalität. Doch das ist falsch. Mögen Menschen mit MG und Bombengürtel verblendet sein, die Drahtzieher dahinter haben einen kalten Plan: Das Attentat ist nicht dessen Ende, sondern Anfang. Die Gegner, also wir, sollen immer weiter verängstigt und zu Kurzschlussreaktionen getrieben werden.

Vor 14 Tagen erst rühmte sich der IS, eine russische Passagiermaschine mit 224 Passagieren abgeschossen zu haben. Aus lauter Angst vor der Freiheit, so das tückische Kalkül, ballern wir schliesslich auch blindwütig um uns. Und schaffen unsere Freiheit schliesslich selbst ab. So schmutzig die Mörder von Paris auch wüteten: Unser grösster Feind ist und bleibt unsere eigene Angst. Der grösste Feind des Terrorismus dagegen ist kluges, besonnenes Handeln. Dazu gehören aufmerksame Geheimdienste. Aber keine Paranoia. Und die Kraft, den erstbesten Reflexen und Rhetoriken zu widerstehen."

De Telegraaf (Amsterdam): "Dieser blindwütige Terror mit so vielen unschuldigen Opfern zeigt erneut, dass der IS Krieg führt gegen den Westen und alle Werte, für die der Westen einsteht. Der Albtraum von Paris geht daher weit über Frankreich hinaus. Dies ist ein Angriff auf Menschen und Länder, die Werte wie Toleranz, Freiheit und Respekt repräsentieren. (...)

Das Ziel der Terroristen besteht darin, Angst zu verbreiten. Dieser Angst nachzugeben (so verständlich das auch ist) bedeutet, sich dem Terrorismus zu beugen. Das würde die Normen und Werte unserer Gesellschaft unter Druck setzen. Darum muss der Kampf gegen den muslimischen Terrorismus weitergehen - im Inland ebenso wie im Ausland. Und natürlich muss jeder wachsam bleiben für Hinweise auf Terroranschläge. Vor dem Terror nicht zurückzuweichen, ist die einzige richtige Antwort an die IS-Terroristen."

Corriere della Sera (Mailand): "Der erste Ruck muss vom politischen Europa und den westlichen Gesellschaften ausgehen. Niemand kann den Krieg gegen den IS alleine angehen, es braucht eine kollektive Verantwortung, um eine internationale Koalition zu bilden, die über die Instrumente verfügt, um die Terrormiliz, die zum zentralen Punkt des islamischen Terrorismus geworden ist, zu zerstören.

Die Strategie der Luftangriffe und der Unterstützung für die Anti-IS-Kämpfer war nicht ausreichend. Jetzt ist eine Wende nötig, die die Staaten der Region im Kampf gegen den IS stärker miteinbezieht. Denn wer isoliert wird, ist leichter zu treffen." (sda)

Bild: Keystone