Publigroupe-Chef Hans-Peter Rohner macht längst kein Geheimnis mehr daraus, dass er am Dienstag gerne zum neuen SRG-Generaldirektor gewählt werden möchte. Am Sonntag, zwei Tage vor der Bekanntgabe des Nachfolgers von Armin Walpen, lässt die "SonntagsZeitung" verschiedener Kritiker Rohners zu Wort kommen. Diese verweisen auf einen mangelnden Leistungsausweis und bemängeln, dass Rohner keine Erfahrung mit TV- oder Radio-Inhalten habe. "Mit grösster Besorgnis" hat laut dem Sonntagsblatt etwa Thomas Bargetzi von der Kandidatur Rohners Kenntnis genommen. Mit ihm meldet sich ein früherer Spitzenmann zu Wort, der den Publigroupe-Chef offen kritisiert. Bargetzi war zur Publigroupe geholt worden, um die "All-Media-Sales-Strategie" umzusetzen. Als die Übung vor einem guten Jahr abrupt abgebrochen wurde, weil sie laut Bargetzi nicht funktionieren konnte, trennte man sich.
"Als Kenner der Szene, Steuerzahler und Schweizer Bürger" verliere er "langsam, aber sicher den Glauben an Rechtschaffenheit, Einsatz und Erfolg", falls Rohner SRG-Chef werden sollte, wird Bargetzi in der "SonntagsZeitung" weiter zitiert. Bis letzte Woche hielt sich Bargetzi an ein vertraglich geregeltes Redeverbot. Jetzt meldet er sich zu Wort, versichert aber, "keine Rachegefühle zu hegen". Auch ein Kadermann, der anonym bleiben muss, spricht von einer "zwiespältigen Stimmung", die Rohners Kandidatur ausgelöst hat. "Die letzten zwei Jahre haben uns extrem durchgeschüttelt, weshalb wir dringend Stabilität brauchen." Deshalb würde er Rohners Abgang bedauern. Die Basis aber spreche von einer Fahnenflucht.
Auch auf Kundenseite habe man irritiert reagiert, schreibt die Zeitung in dem langen Artikel weiter. Dass er nun öffentlich sein Interesse an dem Posten bei der SRG bekenne, bedeute einen neuen Vertrauensverlust für die Publigroupe, wird ein Zürcher Verlagsmanager zitiert. Rohners Absetzbewegung verstärke den Eindruck, dass es nicht gut läuft. Ein langjähriger Verlagsprofi im Raum Zürich wird mit folgendem Bonmot zitiert: "Seit Rohner bei der Publigroupe an der Spitze steht, geht es nur noch abwärts."
Als Fehlentscheide Rohners in seiner Tätigkeit für die Publigroupe, der er als CEO und Verwaltungsratspräsident derzeit vorsteht, werden mehrere Firmenkäufe genannt. Die Übernahme von Radio- und TV-Vermarktern seien Flops gewesen, ebenso der Kauf der auf Kinowerbung spezialisierten Cinecom. Sein grösste Niederlage sei aber die Expansion nach China gewesen. Seine grossen Pläne, die einst vorsahen, in China mehr Angestellte als in der Schweiz zu beschäftigen, hat Rohner inzwischen begraben müssen.