Im Gespräch mit Beat Balzli, Chefredaktor NZZ am Sonntag, äussert sich Marc Walder zu den Spekulationen um den SonntagsBlick und macht klar: «Der SonntagsBlick wird nicht eingestellt werden.» In der heutigen Form werde es ihn aber nicht mehr geben. Geplant sei «etwas ganz Neues». Als Ursache für das Ende des SonntagBlick in seiner heutigen Form nennt er den Print-Werbemarkt, der in der Schweiz von rund drei Milliarden Franken vor 20 Jahren auf 600 Millionen geschrumpft sei. Er glaube nicht daran, «dass man Medienmarken, die nicht mehr ökonomisch führbar sind, in die Zukunft retten soll», so Walder gegenüber Balzli.
Im Zentrum des Gesprächs steht die Disruption der Medienökonomie durch KI. Walder rechnet vor, dass Anfragen an Chatbots weit seltener zu einem Klick auf eine Website führen als klassische Google-Suchen: «30 bis 40 Mal weniger.» Europas Medienhäuser hätten binnen eines Jahres 17 Prozent Traffic verloren – für ihn der «Anfang dieser Epoche». Ringier verhandelt laut Walder mit Google Lizenzverträge für Gemini; solche Kooperationen seien «alternativlos».
Sorge bereitet ihm der branchenweite Stellenabbau durch KI, vor allem in den Einstiegsberufen: «Da habe ich in der Tat Sorge, wenn es Hunderte und Tausende von Arbeitsplätzen gibt, die nicht mehr gebraucht werden.» Für Ringier mit rund 6200 Mitarbeitenden wagt Walder keine Prognose; zuletzt sei eher aufgebaut worden, Kürzungen in den Redaktionen seien weniger der KI geschuldet gewesen. Im Journalismus gelte KI als «Werkzeug, nicht als Autor».
Zu seiner umstrittenen Rolle in der Pandemie sagt Walder, seine Aussage von Februar 2021, man habe die Regierungen medial unterstützen wollen, würde er so nicht mehr sagen – am Appell aus der ersten Phase hält er aber fest: «Würde ich das noch einmal tun? Ja.» Den nach den «Corona-Leaks» um seinen Kontakt zum Sprecher von Alain Berset vereinbarten Rückzug von den Redaktionen nennt er «den absolut richtigen Entscheid», den Vorwurf wohlwollender Berichterstattung «nicht sachlich dargestellt». (nil)