Im Rahmen des ersten Editorial Summit der Ringier-Gruppe vom Montag hat CEO Marc Walder auf eine Medienkritik von Felix E. Müller regiert. Der frühere Chefredaktor der NZZ am Sonntag und heutige Präsident des Stiftungsrats der Journalistenschule MAZ in Luzern kritisierte am Sonntag die Blick-Strategie (persoenlich.com berichtete).
Marc Walders Kernbotschaft seiner Rede am Editorial Summit war: Bei aller Transformation sei und bleibe für Journalistinnen und Journalisten entscheidend, dass zuerst die Fakten richtig aufbereitet würden. Erst danach kämen Interpretation, Storytelling, Formate und Meinungen. Müllers Medienkritik mit dem Titel «Wer soll diesen Blick noch lesen?» bezeichnete Walder als «krasses Negativbeispiel». Der Autor sei zum Schluss gekommen, dass der Blick besser das machen solle, was er früher gemacht habe: Sex, Crime und Sport. Nur so würde der Blick erfolgreich sein können. Dies sei, so Walder, ein ebenso peinliches wie gutes Beispiel, wohin faktenfreier Journalismus führe: Ein Telefonat, ein kleiner Fakten-Check hätte dem benannten Journalisten nämlich die konträren Tatsachen vor Augen geführt, wie erfolgreich die Blick-Gruppe sich in den vergangenen drei Jahren entwickelt habe.
Walder nannte dann einige Zahlen: Noch nie habe Blick mehr User gehabt (1,3 Millionen pro Tag), nie habe der Blick mehr Video Views gehabt (1 Million pro Tag), nie habe der Blick mehr Frauen als Leserinnen gehabt (50 Prozent) und noch nie habe man auf blick.ch eine längere Verweildauer gezählt (über fünf Minuten).
50 Chefredaktorinnen und Chefredaktoren in Zürich
Auf Einladung von Verleger Michael Ringier, Ringier-CEO Marc Walder und Ladina Heimgartner, Head Global Media und Blick-CEO, trafen sich am Montag die Chefredaktorinnen und Chefredaktoren aller Ringier-Publikationen aus dem In- und Ausland. Gemeinsam diskutierten die knapp 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Zürcher Medienpark über das Zusammenspiel von Mensch und künstlicher Intelligenz (KI) bei ihren Titeln. Unter dem Motto «Die Zukunft von Redaktionen im Zusammenspiel von menschlicher und künstlicher Intelligenz» wurde auf dem Summit unter anderem über die Chance und Einsatzmöglichkeiten von KI gesprochen.
Der Editorial Summit unterstreiche das Engagement von Ringier für den Journalismus, betonte Verleger Michael Ringier in seiner Eröffnungsrede. Michael Ringier schreibt seit über 30 Jahren über die Rolle des Journalismus in der Gesellschaft, unter anderem in seiner Kolumne im Magazin Domo. Relevanz stand dabei oft im Zentrum. Mit der Digitalisierung hat sich die Medienlandschaft verändert. Marken wie «Blick» und «Onet» stünden für journalistische Integrität. Aufgabe der Journalisten sei es, den Menschen die Welt zu erklären und dabei sowohl globale als auch alltägliche Perspektiven einzubeziehen. Dabei sei es wichtig, die journalistische Seriosität in den Vordergrund zu stellen und Freude am Lesen zu vermitteln.
In Impulsreferaten sprachen laut einer Mitteilung Expertinnen und Experten. Wissenschaftsjournalist Lionel Barber, ehemaliger Chefredaktor der Financial Times, bekräftigte die Wichtigkeit von Faktentreue. Es sei viel einfacher eine Meinung zu haben, als die Fakten zu kennen. In Bezug auf Qualität meinte er, dass es trotz Wettbewerbsgedanken wichtiger sei, nicht am schnellsten zu sein, sondern der oder die Erste, welche die Geschichte versteht und korrekt wiedergibt.
Wie man für die User relevant bleibt, erklärte User-Needs-Experte Dmitry Shishkin anhand des User-News-Modells, das acht verschiedene Nutzerbedürfnisse identifiziert. Shishkin zeigte sich überzeugt: Wenn die Bedürfnisse des Publikums kreativ, konsistent und strategisch bedient werden, folgt auch das Wachstum. Sein Rat an die anwesenden Journalisten und Journalistinnen: «Fragen Sie sich kritisch, was sich im Leben Ihrer Leserschaft ändert, wenn es die Medienmarke, für die man tätig ist, morgen nicht mehr geben würde?»
Matthieu Mingasson, Head Design Transformation bei der New Yorker Internet-Agentur Code&Theory, setzte sich mit der Frage auseinander, in welchen ehemals journalistischen Bereichen Search Portale und AI das Zepter übernommen haben und wo Journalismus auch weiterhin Wert stiften kann und wird. Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Vertrauen durch den Einsatz von KI werden Marken zugesprochen, die experimentieren und lernen. Dennoch: Trotz aller künstlicher Intelligenz, seien es die einzigartigen, originellen Inhalte einer Marke, die besonders gewürdigt werden müssen.
Während des anschliessenden Dinners gelang es laut Mitteilung Léa Steinacker, die Anwesenden auf eine packende Reise in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft von KI mitzunehmen. Für Steinacker, die unter anderem an der Universität St. Gallen KI lehrt, sei klar, dass das «Menschliche» im Journalismus auch künftig als «Premium» herausstechen werde.
Ringier International Editorial Standards & Innovation Board tagt erstmals
Das «Ringier International Editorial Standards and Innovation Board» kam am Montag erstmals zusammen, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Es befasst sich mit den Publikationen von Ringier, beurteilt und fördert Leadership und Innovationen.
Das «Ringier International Editorial Standards and Innovation Board» unter dem Vorsitz von Michael Ringier, ist besetzt mit Ringier-Verwaltungsrätin Nancy Cruickshank, dem Ringier-CEO Marc Walder, Ladina Heimgartner, Head Global Media von Ringier, Alexander Theobald, CEO der Ringier Axel Springer Schweiz, Petra Ehmann, Chief Innovation Officer von Ringier, Peter Hossli, Leiter der Ringier-Journalistenschule, dem externen, international tätigen Medienexperten Dmitry Shishkin sowie dem Journalist und langjährigen CEO von Gruner & Jahr und RTL Deutschland Stephan Schäfer. (pd/cbe)
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06.09.2023 08:11 Uhr



