Die SRG SSR idée suisse rechnet für das Jahr 2008 mit einem Defizit von rund 50 Millionen Franken. Das sagte SRG-Generaldirektor Armin Walpen am Montag in Bern. Verantwortlich für die Höhe des Verlusts seien auch die grossen Sportanlässe. "Die Kosten für die Übertragungsrechte von grossen Sportveranstaltungen wie der EURO 2008 oder den Olympischen Spielen steigen explosionsartig an", sagte Jean-Bernard Münch, SRG-Verwaltungsratspräsident, vor den Medien.
Für das Jahr 2009 rechnet die SRG gemäss Finanzdirektor Daniel Jorio noch mit einem Minus von rund 10 Millionen Franken. Um die Ungleichgewichte zwischen Ansprüchen und finanziellen Möglichkeiten aufzufangen, plant die SRG eine Strukturreform. Die Komplexität des Aufbaus der Corporate Governance und Unternehmensleitung seien für die Zukunft nicht geeignet, sagte Münch. Der Verwaltungsrat werde die Reform mit Unterstützung von einigen Beratern, darunter Benedikt Weibel, selbst durchführen. Die neuen Strukturen sollen am 1. Januar 2010 in Kraft treten.
Auch die durch die technische Innovation bedingte ständige Annäherung von Fernsehen, Radio und Internet könnte laut Münch Sparpotential bieten. Die Medienkonvergenz sei daher ein weiterer Schwerpunkt der Strukturüberprüfung. Einen Antrag auf Gebührenerhöhung könnte die SRG frühestens im Jahr 2010 stellen. Ob die Gesellschaft davon Gebrauch machen wird, liess Walpen offen. Im Bereich der Online-Werbung sieht der Generaldirektor ein Einnahme-Potential, das es jedoch noch auszuloten gelte, wie Walpen sagte.
Das Geschäftsjahr 2007 hat die SRG mit einem Defizit von 17.2 Mio. Franken abgeschlossen. Auf der Einnahmenseite sieht sich die SRG mit stagnierenden Einkünften aus Gebühren und kommerzieller Tätigkeit konfrontiert. Insgesamt erhielt das Unternehmen 1'122 Millionen Empfanggebühren, der kommerzielle Ertrag belief sich auf 363 Millionen Franken. Dem gesamten Betriebsertrag von 1'569 Millionen Franken steht ein Betriebsaufwand von insgesamt 1'588 Millionen Franken gegenüber.
Damit sei das Haushaltswachstum weit geringer ausgefallen, als der Bundesrat bei seinem Gebührenentscheid angenommen hatte, heisst es in einer Mitteilung der SRG. Mit den 30 Millionen Franken Gebühren-Mehreinnahmen hätten im Zuge des Gebührensplittings die Ansprüche der privaten Anbieter finanziert werden müssen. Zusätzliche kommerzielle Einnahmen habe man wegen rechtlicher Verbote und Einschränkungen im neuen RTVG nicht erschliessen können. (pers/sda)