An der EM wurden den Fernsehzuschauern heikle Bilder aus den Stadien vorenthalten -- SRG-Generaldirektor Armin Walpen hat deshalb vergangene Woche öffentlich Kritik an der Uefa geübt und dem Verband schriftlich sein Missfallen über deren Handhabung mit TV-Bilder mitgeteilt. Im Vergleich zu dem, was an den Olympischen Spielen in China geschehen könnte, sind die Vorfälle an der Euro nach Dafürhalten Walpens harmolos. Er betont im Gespräch mit der Zeitung "Sonntag", die Uefa-Geschichte sei ein "isolierter Vorfall von untergeordneter Bedeutung". Seine Kritik habe er "nicht zuletzt mit Blick auf die Olympischen Spiele in Peking" geäussert, so der Generaldirektor.
Auch in China -- dessen kommunistische Regierung keine Pressefreiheit kennt -- müssten die SRG-Medien unabhängig berichten können. In zwei Punkten werde sich besonders zeigen, ob diese Voraussetzung erfüllt sei: "Kann das Dopingthema frei abgehandelt werden? Und werden die Journalisten in ihrer Arbeit generell nicht behindert?" Für Walpen ist wichtig, dass beide Punkte erfüllt sind. Behinderungen der journalistischen Arbeit, durch wen auch immer, seien abzulehnen. "Die SRG müsste bei schwerwiegenden Vorfällen grundsätzliche Überlegungen hinsichtlich der medialen Abdeckung machen", sagt Walpen.
Laut "Sonntag" heisst das im Klartext: Wenn die Unabhängigkeit nicht gewährleistet ist, könnte die SRG die Berichterstattung aus Peking stoppen. Die SRG-Mitarbeiter würden sich dann aus China zurückziehen. Um die Lage vor Ort beurteilen zu können, ist Walpen zum Teil selber am Grossanlass präsent.