Walpens Kritik nicht mehr als "Albernheiten"

UEFA - Verband hat kein Gehör für SRG-Generaldirektor.

"Albernheiten": So reagiert der europäische Fussballverband UEFA auf die Kritik an den zensurierten Fernsehbildern von der Fussballeuropameisterschaft EURO 08. Alle Bilder seien immer verfügbar gewesen, kontert der Verband.

SRG-Generaldirektor Armin Walpen hatte die Nichtausstrahlung unliebsamer Bilder von Fans in der Sonntagspresse heftig kritisiert. Von Dritten ausgewählte Bilder seien aus Sicht der journalistischen Unabhängigkeit "mehr als problematisch". Auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Österreich ist über Bilder-Hoheit der UEFA nicht glücklich.

Die Kritik entbehre jeglicher Grundlage, erklärte UEFA-Sprecher William Gaillard am Montag im Westschweizer Radio RSR. Das seien "Albernheiten". Das Fernsehen selbst habe sich publizistisch entschlossen, Bilder von bengalische Feuer abbrennenden Fans und kroatischen Zuschauern, die für ein Bier werben und das Spielfeld stürmen wollten, nicht zu zeigen.

Gemäss Gaillard hätte sich SRG besser zuerst mit den eigenen Regisseuren unterhalten. Diese seien mit den UEFA-Technikern, welche die Bilder liefern, in ständigem Kontakt. Die UEFA-Leute hätten sie darauf hinweisen können, dass alle Bilder ständig auf einem der von der UEFA gestellten zehn Bildkanäle verfügbar gewesen wären.

SRG will keinen Streit -- Tendenz gefährlich

SRG-Sprecher Daniel Steiner gab der UEFA am Montag in gewisser Weise Recht. Es stimme, dass die UEFA alle Bilder anbiete, sagte er auf Anfrage. In der Praxis seien diese aber nicht so einfach zu verwerten. Die zusätzlichen Bilder stünden im Gegensatz zur Hauptübertragung via "technical feeds" zur Verfügung. Diese seien nur zur Nachbearbeitung geeignet, etwa für Aufzeichnungen während der Pause. "Wenn es schnell gehen muss, brauchen wir eigene Leute im Stadion", sagte Steiner.

Bislang hatte die SRG nur während Spielen in der Schweiz eigene Zusatzkameras und eine eigene Regie vor Ort. Dies werde sich nun ändern, sagte Steiner. "Ab den Viertelfinals haben wir in Wien zwei Kameras installiert." Die SRG wolle keinen Streit mit der UEFA, sagte Steiner weiter. Vielmehr gehe es ums Prinzip: Immer öfter produzierten private Firmen die Übertragung von Sportveranstaltungen, zum Beispiel auch bei Autorennen oder den Olympischen Spielen. Die Fernsehstationen verlören dadurch ihre journalistische Unabhängigkeit. "Und diese Tendenz ist gefährlich."

Vergangene Woche hatte die UEFA ihre Bildauswahl damit gerechtfertigt, sie wolle der Gewalt keine Bühne bieten. Ausserdem seien solche Szenen "nicht relevant". Der deutsche Sender ARD zeigte dennoch während vier Sekunden beim Match Deutschland - Kroatien, wie im kroatischen Fansektor Petarden gezündet wurden. Offen ist die Frage, ob diese Bilder mit dem internationalen Signal der UEFA übermittelt oder von den ARD-eigenen Zusatzkameras im Stadion eingespiesen wurden.