War der Informant ein Ringier-Mitarbeiter?

CIA-Affäre - Tages-Anzeiger zweifelt SonntagsBlick-Version an.

Seit vergangenem Montag ist das Buch der wegen der CIA-Affäre angeklagten SonntagsBlick-Journalisten im Handel erhältlich ("persoenlich.com" berichtete). Darin wird beschrieben, wie der geheime Informant vom SonntagsBlick nach Neujahr rein zufällig den brisanten Fax über die CIA-Gefängnisse im Intercity-Zug findet und sich trotz schwerem Silvesterkater daran erinnert, "dass er einen Journalisten kennt, der für solche Dinge ein Faible hat". Unmittelbar nach der Ankunft im Bahnhof habe der "absolut vertrauenswürdige" Informant "den Mann beim SonntagsBlick" angerufen.

Dem Tages-Anzeiger mag diese Version des Hergangs der Ereignisse nicht so richtig einleuchten. Sein Autor Iwan Städler fragt sich, ob der Informant, der laut den SonntagsBlick-Journalisten "keinen einzigen Rappen" Honorar erhalten habe, sein Salär nicht vielmehr vom SonntagsBlick beziehe: "Möglicherweise sass ja -- falls sich die Geschichte überhaupt annähernd so abgespielt hat -- nicht irgendein Informant im Zug, sondern ein SonntagsBlick-Mitarbeiter. Und vielleicht wusste dies auch der Beamte, der sein Geheimpapier unter den richtigen Sitz fallen liess", spekuliert Iwan Städler, Autor des Artikels im Tages-Anzeigers.

Ist also der Mann, der das Papier im Intercity gefunden hat, bei Ringier angestellt? Städler wollte es genau wissen und gelangte mit dieser Frage an die Ringier-Pressestelle. Doch seltsam: Weder die Medienstelle des Verlags noch SonntagsBlick-Chefredaktor Christoph Grenacher und die beiden verantwortlichen Journalisten mochten gegenüber Städler bekannt geben, ob der Finder des Papiers ein Mitarbeiter der Redaktion ist. Man mache keine Angaben zur Person, wurde dem Tages-Anzeiger-Journalisten beschieden. Städler versteht diese Haltung nicht: Die Bekanntgabe der Person aus Quellenschutzgründen stellt seiner Ansicht nach kein Problem dar. Und dass Ringier zumindest bestätigen kann, dass der Informant kein eigener Mitarbeiter ist, erachtet er als eine Selbstverständlichkeit.