Die Journalisten der Waadtländer Tageszeitung 24 Heures haben am Freitag für zwei Stunden die Arbeit niedergelegt. Am Warnstreik protestierten über 80 Redaktionsmitglieder gegen die Entlassung einer Kollegin und die geplante Kostensenkung von 10 Prozent.
Auslöser für den Warnstreik sei die Entlassung einer Journalistin. Diese sei am ersten Arbeitstag nach ihren Ferien in die Chefetage zitiert und entlassen worden, sagte Laurent Aubert, Mitglied der Redaktionskommission vom 24 Heures.
Ein Gespräch mit der Chefredaktion habe gezeigt, dass der Frau nichts Stichhaltiges vorgeworfen werde und es sich eigentlich um eine Entlassung aus wirtschaftlichen Gründen handle. Im Gespräch sei auch deutlich geworden, dass die Direktion für die nächsten zwei Jahre ein Kostensenkungsprogramm von 10 Prozent durchsetzen wolle.
Die versammelten Journalistinnen und Journalisten - praktisch die ganze am Freitag im Einsatz stehende Belegschaft - forderten in einer Resolution die sofortige Wiedereinstellung der Redaktorin innerhalb des Verlagshauses Edipresse.
Gleichzeitig kündigten sie ihren Widerstand gegen das Sparprogramm an und kritisierten die Nichteinhaltung der Kollektivverträge. Immer mehr Leute würden zu einem Studententarif Redaktionsarbeit leisten.
Laut Aubert erwirtschaftet 24 Heures nach wie vor Gewinne, wenn auch nicht mehr so üppige wie früher. Zahlen zu den einzelnen Titel gibt Edipresse nicht bekannt.
Konkurrenz durch Gratisblatt
Gewerkschaftssekretär Bruno Clément setzte in seinem Grusswort an die Streikenden das Sparprogramm in den Zusammenhang mit der diese Woche angekündigten Lancierung einer Edipresse-Gratiszeitung. Durch den Start von Matin bleu würden Redaktionen unter direkte Konkurrenz gestellt, mit allen negativen Folgen für die journalistische Qualität, die Arbeitsbedingungen und die Löhne.
Seitens des Verlags hielt man sich am Freitag zu den Forderungen der Redaktion bedeckt. Den Warnstreik wolle er nicht kommentieren, da er zuerst mit seinen Kollegen sprechen wolle, sagte der Direktor für die Waadtländer Produkte von Edipresse, Pierre Buntschu, auf Anfrage. Die Redaktion verlangt von der Edipresse-Direktion eine Antwort bis in einer Woche und droht mit weiteren Streikaktionen.
Seltene Streiks
Warnstreiks sind ein seltenes Ereignis in der Schweizer Medienlandschaft. Zuletzt griff die Redaktion der Tribune de Genève letzten März zu diesem Mittel, um gegen Stellenabbau zu protestieren. In den Jahren vorher kam es im November 2000 sowie im Oktober und Dezember 1998 in allen Edipresse-Redaktionen zu Arbeitsniederlegungen.