Herr Lüchinger, warum gehen Sie?
Ich habe knapp sechs Jahre für Facts gearbeitet, zuerst als Wirtschaftschef, dann als stellvertretender Chefredaktor, dann als Chefredaktor. Das war eine spannende und intensive Zeit. Jetzt möchte ich einen persönlichen Break machen.
Die Auflagezahlen von Facts sind unter Druck. Wurde deshalb intern Druck auf Sie ausgeübt?
Ein Chefredaktor von einem Produkt wie Facts ist immer unter Druck. Das hat bei meiner Entscheidung keine besondere Rolle gespielt. Ich kam im März 1995 zu Facts und stampfte mit 55 anderen Journalisten das neue Nachrichtenmagazin aus dem Boden, das war spannend und arbeitsintensiv. Ich war bereits als stellvertretender Chefredaktor stark in die Gesamtverantwortung des Blattes involviert, da der damalige Chefredaktor Jürg Wildberger durch die Verhandlungen um TV3 absorbiert war. Ich denke, nach 15 Jahren im Journalismus, davon 8 Jahre in leitenden Funktionen, ist jetzt, da ich 41 Jahre alt bin, der Zeitpunkt ideal für einen Break.
Es ist mutig, den prestigeträchtigen Job als Chefredaktor eines führenden Printprodukts ohne Zwang an den Nagel zu hängen.
Ein paar wenige Journalisten haben aufgrund ihrer Fähigkeit die Möglichkeit, irgendwann in ihrer Karriere Chefredaktor zu werden, doch Chefredaktor zu sein, darf keine Lebensaufgabe werden. Das kann man nicht 20 Jahre lang machen, zumindest nicht bei einem Produkt wie Facts. Ich war nie ein Journalist, der seinen Job nur macht, weil er ihn machen muss, sondern es gibt einen idealen Zeitpunkt für einen Einstieg und es gibt einen idealen Zeitpunkt für einen Ausstieg.
Welche Pläne haben Sie?
Ich habe keine konkreten Pläne. Man kann eine zweite Ehe nicht eingehen, bevor man die erste nicht aufgelöst hat. Wenn es mir darum gegangen wäre, sofort einen neuen Job zu haben, dann hätte ich Möglichkeiten gehabt. Die Tamedia hat mir ein Angebot gemacht, doch ich habe Michel Favre gesagt, ich fände das Angebot zwar toll, brauche aber jetzt erst mal ein bis zwei Monate, um über Neues nachzudenken.
Schalten Sie jetzt ein Sabbatical dazwischen?
Das könnte sein. Ich überlege es mir. Ich habe überhaupt keine Angst, dass ich nicht mehr vermittelbar bin, im Gegenteil: Ich bin auf dem Zenit meiner Karriere. Ich habe Personalverantwortung für 70 Mitarbeiter getragen, einige Millionen Franken Budget verantwortet, habe Erfahrung im Auftritt nach innen wie nach aussen und gute Kenntnisse im Medienwesen.
Seit wann wissen Sie, dass Sie Facts verlassen?
Ich habe vor zwei Monaten angefangen, mir Gedanken zu machen. Vor kurzem verbrachte ich dann zwei Wochen Ferien, in denen ich mit mir ins Reine kam in bezug auf diesen Entscheid. Vor ein paar Tagen habe ich die Geschäftsleitung informiert.