«Warum so harmlos, Herr Rutz?»

Halbierungsinitiative - Die Kampagne für die SRG-Initiative kommt ungewohnt zahm daher – keine Provokation, keine Polarisierung. Gregor Rutz, SVP-Nationalrat und Mitglied des Initiativ-Komitees, erklärt im Interview, warum diese Kampagne anders funktioniert als frühere SVP-Abstimmungskämpfe und weshalb freundliche Gesichter mehr bringen als inhaltliche Kritik am SRG-Angebot.

von Nick Lüthi

Herr Rutz, die Plakatmotive der Ja-Kampagne kommen geradezu harmlos daher – gerade wenn man bedenkt, wer sie gemacht hat: Alexander Segert von der Agentur Goal. Warum so harmlos?
Gregor Rutz: Bei einer Ja-Kampagne geht es darum, Vertrauen zu schaffen. Wir müssen den Stimmbürgern erklären, dass sie finanziell entlastet werden und dass die Initiative zu mehr Medienvielfalt führt. Bei Nein-Kampagnen ist es einfacher: Indem man als Gegner einer Vorlage Verunsicherung schürt, stärkt man die Skepsis gegenüber neuen Vorlagen. Da Schweizer generell eher skeptische Menschen sind, ist es umso schwieriger, Ja-Kampagnen zu führen.

Bei der Minarett-Initiative oder der Masseneinwanderungsinitiative warb die SVP mit sehr provokativen Plakaten für ein Ja. Wo liegt der Unterschied zur SRG-Initiative?
Die SRG-Initiative entspringt einem langjährigen Anliegen. Ich habe mich bereits vor über 15 Jahren – damals zusammen mit Natalie Rickli – für eine Gebührensenkung auf 200 Franken stark gemacht. Unser Komitee ist breit und überparteilich abgestützt. Währenddessen war die SVP bei der Minarett- und der Masseneinwanderungsinitiative allein auf weiter Flur. Wenn man allein ist und alle anderen das betreffende Anliegen totschweigen wollen, kann es notwendig sein, etwas offensiver aufzutreten. Das macht es normalerweise schwieriger, eine Mehrheit zu gewinnen. Bei den erwähnten Anliegen hingegen war der Leidensdruck in der Bevölkerung bereits so gross, dass eine Mehrheit von Volk und Ständen den Initiativen zustimmte.

Warum fehlt die inhaltliche Kritik am SRG-Programm in den visuellen Motiven der Kampagne?
Dass die SRG immer mehr Aktivitäten entfaltet, die über den Konzessionsauftrag hinausgehen, kritisiere ich seit Jahren. Diese Kritik ist selbstverständlich auch Teil der Abstimmungsdebatte. Als Kampagnensujet sind solche Punkte aber ungeeignet. Sie lassen sich nur schwer visualisieren und würden zudem eine Nein-Botschaft transportieren. Die Gebührensenkung zwingt die SRG dazu, sich auf ihren Kernauftrag zu konzentrieren. Von überflüssigen Angeboten muss sie dann Abstand nehmen. Das ist unser Ziel – und das müssen wir mit positiven Botschaften vermitteln.