Nach dem Verkauf der Weltwoche gibt der Jean-Frey-Verlag mit dem Beobachter, TV-Star und der Bilanz nur noch drei Zeitschriften heraus. Damit schrumpft der Umsatz des Medienhauses von 100 auf 75 Millionen Franken. Mitarbeiter nennen in einem Anflug bitterer Ironie denn auch die eigene Firma mittlerweile "Jean-Freyli". Doch was wird nun aus dem Verlag? Und was aus dessen CEO Filippo Leutenegger? Tages-Anzeiger-Autor Constantin Seibt geht im Tages-Anzeiger diesen Fragen nach.
Seibt sieht Filippo Leutenegger eher als Opfer denn als Täter des Tettamanti-Isler-Köppel-Deals: Seine Grossaktionäre hätten ihm Macht, Prestige und den Verlag unter dem Chefsessel weggeschossen. Nüchtern betrachtet sei der Verkauf schlicht das Ende eines langen Eiertanzes zwischen Profit und (rechter) Politik, so Seibt. Als Tettamanti Köppel als Weltwoche-Besitzer und Garant der rechten Linie installierte, habe CEO Leutenegger keine Chance gehabt -- auch nicht, weil dieser als Neuling keine Ahnung vom Verlagsbusiness habe.
"Filippos Problem sind die Dossierkenntnisse und Details. Eigentlich kann man ihn mit allem über den Tisch ziehen", zitiert Seibt einen Kader der Jean-Frey. Leuetenegger sei der CEO für das Sparen gewesen, jedoch nicht für die Strategie: "Filippo redet nun seit drei Jahren mit allen über alles", so ein Mitarbeiter, "Gratiszeitung, Sonntagszeitung, rechter Anti-Blick, TV, Crossmedia, -- einfach alles." Das Problem: Nichts sei passiert.
Der Jean Frey-Verlag hat nun laut Seibt eine Galgenfrist, in der die Weltwoche vertraglich gezwungen ist, die Verlagsdienste zu nützen. Trotzdem sei der Rumpfverlag ein "klassischer Übernahmekandidat", wie ein Kadermitglied laut Seibt betont. Dies nicht nur, weil der Gewinn sinke und keine Projekte existieren. Sondern auch, weil die Ziele der Aktionäre erreicht seien. Als begeisterte Käufer von "Jean-Freyli" erachtet Seibt Käufer wie Ringier oder Tamedia.