Wegen Anti-WEF-Aktion von Mitarbeiter getrennt

toxic.fm - "Jeglichen Toleranzbereich weit überschritten".

Der Student und Sprecher der Organisation "Aktiv unzufrieden", Harald Buchmann, hatte Anfang letzter Woche angekündigt, seine Organisation habe den "Schwarzen Block" für eine Anti-WEF-Aktion an die Universität St. Gallen eingeladen. Dabei werde es qualmen. Am letzten Donnerstag wurde einem grossen Medien- und Polizei-Aufgebot ein mit schwarzer Plastikfolie verkleidetes Bambusgestell mit Rauchkörper präsentiert, wie das St.Galler Tagblatt schreibt. Erwartet hatten alle eine Gruppe gewaltbereiter Autonomer. Mit der Aktion wollte "Aktiv unzufrieden" problematische mediale und gesellschaftliche Mechanismen sichtbar machen.

Buchmann absolviert das Ausbildungsprogramm des St.Galler Senders toxic.fm. Der Sender zieht nach den Vorkommnissen nun die Konsequenzen. Das St.Galler Tagblatt bezieht sich auf eine interne Mitteilung des Radios. Darin schreibe Geschäftsführer Urs Siegfried, mit der Mitteilung über die Anti-WEF-Aktion sei "implizit die Anwendung von Gewalt angekündigt" worden. Damit habe Buchmann nicht nur "jeglichen Toleranzbereich weit überschritten", sondern auch die toxic-Richtlinien aufs Gröbste verletzt "und der Glaubwürdigkeit unseres Senders massiv geschadet". Eine weitere Zusammenarbeit sei für toxic.fm ausgeschlossen, obwohl sich die Aktion nicht überraschend "als PR-Masche" erwiesen habe.

Für seinen Entscheid seien zwei Aspekte ausschlaggebend gewesen, sagte Urs Siegfried gegenüber dem St.Galler Tagblatt. Toxic.fm wolle seine journalistische Verantwortung wahrnehmen und "kritisch, neutral, unabhängig und fundiert" berichten. Der Sender wolle keinesfalls Plattform für eine Gruppe oder Partei sein. Redaktionsmitglieder dürften damit im Einzugsbereich des Senders in Gruppen oder Parteien nicht politisch aktiv sein. Harald Buchmann sei -- im Sinne einer Übergangsregelung -- eine Ausnahme gewesen.