"Die SF-Berichterstattung ist einseitig und einfältig", dies das Fazit eines "Weltwoche"-Artikels vom Donnerstag. Darin wird kritisiert, dass die vier wichtigsten Sendungen ihrem Auftrag nach umfassender, vielfältiger und sachgerechter Information nicht gerecht würden ("persoenlich.com" berichtete). Laut "Weltwoche" wollte sich das Schweizer Fernsehen nicht zu den Ergebnissen der Untersuchung äussern. Eine Anfrage von "persoenlich.com" zeigt nun aber, dass SF sehr wohl eine Stellungnahme lieferte, diese jedoch von der "Weltwoche" nicht abgedruckt wurde. Im Interview kommentiert Diego Yanez, Chefredaktor TV von Schweizer Radio und Fernsehen, die Ergebnisse der Studie:
Herr Yanez, im Artikel "Schlagseite statt Vielfalt" der "Weltwoche" steht, dass sich SF nicht zu den Ergebnissen der zitierten Studie äussern will. Warum wollten Sie keine Stellung beziehen?
SRF wurde von der "Weltwoche" mit den zitierten Ergebnissen konfrontiert und äusserte sich zum Sachverhalt ungleich ausführlicher, als es die "Weltwoche" abbildet. Wir antworteten, dass wir die Wahl der von Media Tenor untersuchten respektive von der "Weltwoche" dargestellten Sendungen nicht nachvollziehen können: Was haben "Eco" und "SF Börse" mit der politischen Berichterstattung zu tun? Wo bleiben "10vor10", "Schweiz aktuell" und vor allem die "Arena"? Ausserdem verwiesen wir auf die Studien von Joachim Trebbe und René Grossenbacher. Sie sind auf der Homepage vom Bakom veröffentlicht und zeigen, dass SVP und SP durchwegs in allen SRG-Programmen am stärksten berücksichtigt werden. (vgl. auch "SonntagsZeitung" Anm. d. Red.).
Wer konfrontierte Sie erstmals mit Schatz' Kritik? Geschah dies auf Anfrage der "Weltwoche"?
Die "Weltwoche" schickte uns am Freitagabend vor Publikation vier Folien mit Ergebnissen, machte allerdings keine Angaben zu Auftrag, Auftraggeber, Methodologie etc.
Welche Fragezeichen hat SRF in Bezug auf die Analyse resp. Methode von Media Tenor?
Informationen zur Methodologie von Media Tenor entziehen sich unserer Kenntnis. Weiter ist uns wie erwähnt schleierhaft, warum Media Tenor respektive die "Weltwoche" zur Analyse der politischen Berichterstattung "Eco" und "SF Börse" berücksichtigte und nicht "10vor10", "Schweiz aktuell" und "Arena". Und wie kann man Aussagen über die Vertretung der Kantone im Programm machen, ohne "Schweiz aktuell", unser Regional-Magazin mit einzubeziehen?
Es heisst, die Kantone Zürich und Bern seien übervertreten.
Dass aus den Kantonen Zürich und Bern überdurchschnittlich berichtet wird, ist richtig, aber auch nachvollziehbar. Der Kanton Zürich hat fast 1,4 Millionen Einwohner, der Kanton Bern 970'000 Einwohner, es sind also die mit Abstand zwei bevölkerungsreichsten Kantone der Schweiz. Kommt hinzu, dass Zürich als dominante Wirtschaftsmetropole des Landes eine hohe Aufmerksamkeit geniesst, auch in allen anderen Medien.
Aber die Analyse unterstellt, das Schweizer Fernsehen würde nicht ausgewogen über die Kantone berichten. Stimmt das?
Selbstverständlich berichten wir regelmässig aus allen anderen Kantonen. Die Berichterstattung von "Schweiz aktuell", die gemäss der Darstellung der "Weltwoche" allerdings nicht erfasst wurde, belegt dies.
Wie ist die SVP vertreten?
In der Hauptausgabe der "Tagesschau" war 2010 die SVP 85 Mal ein Thema, die SP 76, die FDP 58 und die CVP 35 Mal.
Ausserdem weisen Sie offenbar zu oft auf das Online-Angebot hin. Stimmt das?
Wir weisen dann auf das Online-Angebot hin, wenn wir zu einem Thema auf dem Internet ein Dossier mit ergänzenden Informationen haben.
Was sagen Sie zum Vorwurf Frau Sommaruga sei "regelrecht hochgejubelt" worden?
SF begegnet Frau Sommaruga mit derselben kritischen Distanz wie den anderen Bundesräten.
Die Untersuchung besagt auch, dass SF 2009 und 2010 357 Mal über die SRG berichtet hat und diese Berichte fast ausschliesslich positiv waren. Trifft dies zu?
Der Blick in unser Archiv ergab, dass 2009 und 2010 zehn Mal weniger über die SRG berichtet wurde als in der Analyse behauptet: 2009 gab es in der "Tagesschau" Hauptausgabe 20 Beiträge über die SRG, 2010 waren es 17 Beiträge. Die "Rundschau", "ECO" und "SF Börse" brachten keine Beiträge.
ARD und ZDF wurden ebenfalls mit Kritik von Media Tenor konfrontiert. Laut "AZ" online hätten sie die Kritik jeweils zurückgewiesen und Schatz aufgefordert, seine Messmethoden öffentlich zu machen. Was wissen Sie dazu?
Wir können dazu keine Stellung nehmen und haben auch nur die Informationen, die unter Media Tenor (früher "Medien Tenor") auf Wikipedia stehen.
Welche Massnahmen ergreift SRF selber zur Qualitätskontrolle?
SRF hat ein ganzes Paket an Qualitätssicherungsmassnahmen: Unsere öffentlich einsehbaren publizistischen Leitlinien definieren unsere Spielregeln und garantieren eine sachgerechte und faire Berichterstattung. Weiter haben unsere Redaktionsleiter detaillierte Sendungskonzepte, die Ziele werden periodisch gemessen, unsere Sendungen werden vom Publikumsrat und Presserat beobachtet etc.
Interview: Edith Hollenstein