Mit der Beteiligung am Schweizer Geschäft des Internet-TV-Anbieters Zattoo hat Tamedia im Online-Bereich ein weiteres Gechäftsfeld erschlossen. Damit hat das Medienhaus sein Internet-Portfolio durch Übernahmen oder Beteiligungen nebst Zattoo innerhalb eines Jahres um ein Immobilienportal (homegate.ch), Ratgeberseiten (eload24), eine Suchmaschine (search.ch) und ein Nightlife Portal (tilllate.com) erweitert.
Entwickelt sich Tamedia weg vom reinen Medienunternehmen zu einem Gemischtwarenladen? "Nein", erklärt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer auf Anfrage von "persoenlich.com". Diese Beteiligungen seien eine starke Ergänzung der bestehenden Online-Engagements von Tamedia. "Gleichzeitig sind wir ein interessanter Partner für Startup-Unternehmen, denn eigenständige Medien sind Teil unserer Kultur", so Zimmer. Tamedia wolle einen Beitrag zum weiteren Wachstum dieser Unternehmen leisten und gleichzeitig ihre Geschichte und Kultur respektieren.
So wolle das Medienhaus als Minderheitsaktionär Zattoo gemeinsam mit den bisherigen Aktionären und dem Gründerteam weiterentwickeln. Die Gründer hätten aber weiterhin das Heft in der Hand. Die vollständige Übernahme von Zattoo sei nicht geplant.
Einkaufstour noch nicht abgeschlossen
Mit der letzten Beteiligung ist der Hunger von Tamedia noch nicht abschliessend gestillt. "Wenn sich interessante Gelegenheiten ergeben und spannende Projekte an uns herangetragen werden, sind weitere Beteiligungen auch in Zukunft möglich", erklärt Zimmer. Eine weitere Diversifikation in Bereiche wie Musikportale oder Online-Shops kann man sich an der Werdstrasse weniger vorstellen. Zimmer: "Medien sind unser Kerngeschäft. Für uns sind diejenigen Projekte interessant, zur deren Entwicklung wir auf Grund unserer Position als Medienhaus und unseres Knowhows im Bereich Inhalte und Vermarktung beitragen können."
Bei Tamedia scheint man also von einer Finanzkrise nichts zu spüren. "Das Unternehmen ist finanziell absolut gesund und wies auch im ersten Halbjahr 2008 trotz der hohen Investitionen in neue Medienprojekte eine ansprechende Rendite aus. Wir können diese Projekte selber finanzieren", erläutert Zimmer.
Für das nächste Jahr werden der Medienbranche deutlich weniger Werbeeinahmen vorausgesagt. Eine weitere Medienkonzentration scheint sich anzubahnen. Mit Tamedia als Einkäufer und Profiteur? Zimmer: "Falls ein anderes Medienhaus einen Partner suchen sollte, werden wir eine Zusammenarbeit oder Beteiligung selbstverständlich prüfen. An erster Stelle steht aber im Moment die Integration von Tamedia und Espace Media Groupe."
(Text: Stefan Wyss)