Weiterhin ein Damoklesschwert über Ticketcorner

Ringier - Noch hat Ringier wenig Freude an Ticketcorner.

Seit Februar untersucht die Wettbewerbskommission die Liaison zwischen dem Billetverkäufer Ticketcorner und dem Hallenstadion Zürich. Unterdessen hat sich Ticketcorner zumindest personell vom Hallenstadion getrennt. Das Hauptproblem – ein Vertrag zwischen den beiden Firmen – bleibt jedoch gültig ("persoenlich.com" berichtete). Die neuen Besitzer von Ticketcorner, darunter das Medienhaus Ringier, tun sich äusserst schwer damit.

Anwalt Balz Hösly, der den Verwaltungsrat des grössten Schweizer Billetverkäufers Ticketcorner während knapp fünf Jahren präsidierte, ist in aller Stille zurück getreten – und das gesamte Gremium mit ihm. Doch Ticketcorner, der im Februar vom Medienhaus Ringier und der deutschen Ticketingfirma CTS Eventim gemeinsam für 65 Millionen Franken übernommen worden war, hat bisher diese gewichtige Änderung verschwiegen und sie im April bloss im Handelsregister publiziert. Auch die neuen Besitzer CTS und Ringier verzichteten auf eine Mitteilung.

Das kollektive Schweigen hat System, denn mit Höslys Rücktritt endet eine personelle Verflechtung, die CTS und Ringier ein Dorn im Auge war: Hösly leitete nicht nur Ticketcorner, sondern sitzt auch seit Jahren als Vizepräsident im Verwaltungsrat des Zürcher Hallenstadions. Damit redete er bei zwei Firmen massgeblich mit, die beide wegen einer seit 18 Monaten bestehenden "strategischen Partnerschaft" eine Untersuchung der Wettbewerbskommission (Weko) am Hals haben. Der Verdacht: Mit der Partnerschaft verstossen der grösste Schweizer Billetverkäufer (Umsatz: 35 Millionen Franken) und die grösste multifunktionale Eventhalle der Schweiz (Umsatz 20 Millionen Franken) möglicherweise gegen das Kartellgesetz. Dies, weil der Vertrag, der per 2009 für fünf Jahre abgeschlossen worden war, Veranstalter von Anlässen im Hallenstadion dazu verpflichtet, jeweils mindestens 50 Prozent der Tickets über Ticketcorner zu vertreiben. Dieser Punkt könnte aber gemäss Weko «als kartellrechtlich unzulässige Abrede beurteilt werden, da sie andere Mitbewerber vom Markt für den Vertrieb von Veranstaltungstickets ausschliesst.» Ob dem tatsächlich so ist, wird nun eben eingehender geprüft.

Das Problem Ticketcorner ist bei CTS nun Chefsache

Ob Hösly mit seinem Doppelmandat der eigentliche Urheber ist für die heikle Partnerschaft, die den beiden Firmen eine happige Weko-Busse einbringen könnte, muss hier offen bleiben. Er selber sieht sich jedenfalls keineswegs als Drahtzieher, lieber delegiert er die Verantwortung nach unten. Die Vertragsverhandlungen zwischen Ticketcorner und Hallenstadion Zürich seien 2008 "auf operativer Ebene" geführt worden, er habe darauf «keinen Einfluss genommen», sagte er auf Anfrage. Im übrigen sei der Ticketcorner-Verwaltungsrat nach dem Verkauf an Ringier und CTS von sich aus zurück getreten, betont Hösly. Das sei so üblich bei Firmenübernahmen dieser Art.

Fakt ist: Ringier und CTS haben Höslys Rücktritt akzeptiert. Offenbar bereitwillig, denn sie hätten ihn auch wieder einsetzen können, so wie sie es mit George Egloff taten, der als ehemaliger VR-Delegierter zusammen mit Hösly zurückgetreten war, jedoch gleich wieder als Geschäftsführer von Ticketcorner zu Ehren kam. Anders beim Verwaltungsrat: Diesen besetzten die neuen Besitzer ganz neu mit Klaus-Peter Schulenberg, Vorstandsvorsitzender von CTS Eventim, sowie mit dessen Stellvertreter Rainer Appel – und erklärten so das Problem Ticketcorner zur Chefsache.

Nur ein Symbol ist weg, nicht das Problem

Ob Ringier und CTS mit dem Umbau bei Ticketcorner auch einer Auflage der Weko nachkamen, ist unklar. Die Weko gibt dazu keine Auskunft, ebenso wenig Ringier, Ticketcorner und CTS. Appel selbst gab über seine Assistentin sogar zweimal den Bescheid, nicht über die Sache sprechen zu wollen. Der Grund ist klar: Mit der Trennung von Hösly haben Ringier und CTS bloss das Symbol für die heikle Verflechtung los, nicht aber das Problem an sich. Denn der Vertrag mit dem Zürcher Hallenstadion bleibt noch bis Ende 2013 in Kraft, CTS und Ringier verdienen also am möglicherweise illegalen Zustand weiter kräftig mit. Das aber könnte sie dereinst teuer zu stehen kommen. In einer solchen Zwickmühle ist es ratsam, möglichst wenig Lärm zu machen. Auch deshalb, weil Ringier und CTS beim Kauf von Ticketcorner genau wussten, worauf sie sich einliessen: Zum einen hatte die Weko ihren Entscheid für die vertiefte Untersuchung am 8. Februar 2010, eine Woche vor der Übernahme öffentlich mitgeteilt. Zweitens war sie ursprünglich nur dank Ticketcorner-Konkurrenten auf den heiklen Vertrag zwischen dem Billetverkäufer und dem Zürcher Hallenstadion aufmerksam geworden. Einer der Kläger war CTS Eventim.

Text: Markus Knöpfli