Die Wettbewerbskommission (Weko) nimmt die Frühzustellung von Zeitungen vertieft unter die Lupe. Sie prüft, ob mit der geplanten Zusammenlegung der Zustelldienste von NZZ-Gruppe, Tamedia und Post eine marktbeherrschende Marktstellung entsteht. Durch die Zusammenlegung entstehe eine neue Frühzustellorganisation, welche den Grossteil der Deutschschweiz und gewisse Teile der Romandie abdecke, schreibt die Weko in einer Mitteilung vom Mittwoch.
Die vorläufige Prüfung habe Anhaltspunkte ergeben, dass dadurch eine marktbeherrschende Stellung "begründet oder verstärkt werden könnte", schreibt die Weko weiter. Eine zentrale Frage bei der vertieften Prüfung werde sein, ob und in welchem Ausmass in der Frühzustellung potenzielle Konkurrenz zu Post, NZZ-Gruppe und Tamedia bestehe, die in den Markt eintreten könnte. Im Tätigkeitsbereich der neuen Frühzustellorganisation seien nämlich keine oder sehr wenige andere Organisationen tätig.
Weder die Post noch die NZZ-Gruppe sind vom Entscheid der Weko überrascht. "Das haben wir erwartet", sagte Beat Lauber, bei der NZZ-Gruppe zuständig für das Projekt Presto AG, am Mittwoch der Nachrichtenagentur SDA. Man warte nun die Begründung ab. "Mit Spannung" erwartet die Post den Entscheid, der in den kommenden vier Monaten fallen wird.
Ende September 2008 hatten die Post, Tamedia und die NZZ-Gruppe eine Absichtserklärung unterschrieben, wonach sie ihre Beteiligungen an verschiedenen Zustell- und Vertriebsorganisationen zusammenlegen und in eine neue Tochtergesellschaft der Schweizerischen Post übertragen wollen. Die Post soll an der neuen Firma Presto AG 75 Prozent, NZZ und Tamedia je 12,5 Prozent halten. Die Gewerkschaft Kommunikation begrüsste im Oktober das Vorhaben als Schritt in die richtige Richtung. Damit werde verhindert, dass der Wettbewerb einseitig auf dem Buckel der Angestellten ausgetragen werde. Die Gewerkschaft erhofft sich bessere Arbeitsbedingungen und forderte einen fortschrittlichen Gesamtarbeitsvertrag.
Ob ein solcher eine Option wäre, lässt Post-Sprecher Oliver Flüeler offen. "Wir warten erst den Entscheid der Weko ab und beraten dann über das weitere Vorgehen." Im Gegenzug zur Zusammenlegung übernimmt Tamedia von der Post 75 Prozent an der Räber Information Management GmbH, die das Online-Portal search.ch betreibt. Das 1995 gegründete Portal erreicht gemäss eigenen Angaben in der Schweiz über 2,5 Millionen Kunden und ist damit die zweitmeist besuchte Website. (sda)