Die Westschweizer Verleger verstecken ihren Ärger über den Bundesrat und die SRG nicht. Valérie Boagno, Präsidentin von Presse Suisse, hat am Freitag in Lausanne dem Bundesrat vorgeworden, er messe bei den Medien mit "zwei verschiedenen Ellen". In ihrer Rede anlässlich der Generalversammlung von Presse Suisse, dem Verband der Westschweizer Medienunternehmen, kritisierte Valérie Boagno die "fehlende Unterstützung" gegenüber den Verlegern. Während in den meisten Ländern Europas das Urheberrecht gestärkt worden sei, vertrete der Bundesrat die Meinung, das aktuelle Recht reiche völlig aus, sagte sie.
Die Präsidentin sprach sich ebenfalls gegen denn vom Bund propagierte Einheitssatzes bei der Mehrwertsteuer in der Höhe von 6,1 Prozent aus. Heute profitieren Zeitungen und Zeitschriften von einem reduzierten Steuersatz von 2,4 Prozent. Sie betonte, dass die Presse in einigen Ländern gar von der Mehrwertsteuer befreit sei. Ausserdem kritisierte sie den Vorschlag des Bundes, auf der Internetseite der SRG Werbung zu zulassen. Und auch für die von der SRG ins Spiel gebrachte Gebührenerhöhung hatte sie keine Sympathien übrig. Sie warf dem Bund vor, er würde bei den Medien mit "zwei verschiedenen Ellen" messen. Valérie Boagno wurde an der Generalversammlung in ihrem Amt als Präsidentin vor Presse Suisse bestätigt. (sda)