01.05.2009

Studie

Weltweit zunehmend Einschränkungen für die Pressefreiheit

Italien und Israel zurückgestuft.

Erstmals ist die Freiheit der Presse im vergangenen Jahr einer Studie zufolge in sämtlichen Regionen der Welt eingeschränkt worden. Von 195 untersuchten Ländern und Gebieten hätten die Medien 2008 nur noch in 70 (36 Prozent) ungehindert arbeiten können, wie aus einer am Donnerstag (Ortszeit) in Washington veröffentlichen Erhebung der US-Organisation Freedom House hervorgeht.

Im Jahr zuvor waren es demnach noch 72 Länder weltweit. Die Lage der Medien in 61 Staaten (31 Prozent) stufte Freedom House 2008 demnach als "teilweise frei" und in 64 weiteren (33 Prozent) als "unfrei" ein. Zwar hätten die Einschränkungen für Journalisten bereits sieben Jahre lang in Folge zugenommen, 2008 jedoch seien erstmals sämtliche Weltregionen betroffen, teilte Freedom House mit.

"Heute muss der Journalismus kämpfen, um am Leben zu bleiben, und der Druck durch Regierungen, andere einflussreiche Akteure und die weltweite Wirtschaftskrise fordert einen enorm hohen Preis", erklärte die Direktorin Jennifer Windsor.

Meinungsäusserung in Italien beschnitten

Westeuropa gilt der Studie zufolge noch immer als die Region mit dem höchsten Mass an Pressefreiheit, allerdings wurde Italien in die Kategorie "teilweise frei" zurückgestuft. Die Autoren begründeten dies damit, dass die italienische Justiz und der Gesetzgeber das Recht auf freie Meinungsäusserung beschnitten. Zudem gebe die zunehmende Medienkonzentration in Italien Anlass zur Sorge.

Den massivsten Rückgang der Pressefreiheit verzeichnete Freedom House in Mittel- und Osteuropa. Die Organisation nannte als Beispiele die Ermordung von Journalisten in Bulgarien und Kroatien, Angriffe auf bosnische Medienvertreter sowie die Tatsache, dass russischen Journalisten Schutz verwehrt worden sei.

Einschüchterungskampagnen

Ausser Italien wurden auch Israel und Hongkong vom Status "frei" auf "teilweise frei" heruntergestuft. Die schlechteste Note - also der Status "unfrei" - wurde unter anderen an China, Kuba, den Iran, Burma, Nordkorea, die Palästinensergebiete, Simbabwe und Weissrussland vergeben.

Generell sei ein Zuwachs an Pressefreiheit in Südasien und Afrika 2008 "überschattet worden von einer Einschüchterungskampagne gegen unabhängige Medien, vor allem in der ehemaligen Sowjetunion, in Nahost und Nordafrika", heisst es in der Studie. Freedom House veröffentlicht den Jahresbericht zur Pressefreiheit seit 1980. Mitgegründet wurde die Organisation 1941 von der damaligen First Lady Eleanor Roosevelt.

Blogger-Höllen

Auch das US-Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) veröffentlichte am Donnerstag eine Erhebung - die Liste "der zehn schlimmmsten Länder für Blogger". Auf der Liste finden sich in diesem Jahr Ägypten, Burma, China, der Iran, Kuba, Saudi-Arabien, Syrien, Tunesien, Turkmenistan und Vietnam. Am Sonntag wird der Welttag der Pressefreiheit begangen. (sda)


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