"Sobald mir Filippo Leutenegger dreinredet, bin ich weg" hatte Simon Heusser, Chefredaktor der Weltwoche, noch vor wenigen Monaten in einem Interview gegenüber "persoenlich.com" geäussert. Nun ist er am Freitag aufgrund von Differenzen mit Jean-Frey-CEO Filippo Leutenegger überraschend zurückgetreten.
Über die konkreten Hintergründe des Eklats konnte am Freitag nur gerätselt werden. Die Rede war von "Problemen im Führungsbereich" und von "unüberbrückbaren Differenzen". Es konnte nur gemutmasst werden, ob wirtschaftliche Gründe -- die Weltwoche kämpft gegen Anzeigenschwund -- oder viel eher politische Richtungskämpfe -- Ausschlag für die Trennung waren.
Übers Wochenende wurde mehr zu den Hintergründen von Heussers Abgang bekannt. Laut Tages-Anzeiger vom Samstag war Heusser in der jüngsten Zeit immer stärker isoliert gewesen. Insider würden von einer "gut funktionierenden Achse" zwischen Leutenegger und Markus Somm, dem stellvertretenden Chefredaktor und Inlandchef, sprechen. Ausschlaggebend für Heussers Abgang war gemäss SonntagsZeitung das Jahresgespräch mit Jean-Frey-Chef Filippo Leutenegger, der Heusser vorgeworfen haben soll, die Redaktion und die Spesen nicht im Griff zu haben.
Unüberbrückbare Differenzen bei Führungsaufgaben
Es soll zwischen Leutenegger und Heusser schon länger gegärt haben. "Wir befanden uns im Prozess der Trennung", sagte Leutenegger auf Anfrage der SonntagsZeitung. Politische Konflikte habe es nicht gegeben, aber "unüberbrückbare Differenzen bei Führungsaufgaben".
Politische Probleme hat es gemäss SonntagsZeitung jedoch zwischen dem moderat liberalen Heusser und dem rechtsbürgerlichen Inlandchef und stellvertretenden Chefredaktor Markus Somm gegeben. Dieser gelte wegen seinem guten Draht zu Leutenegger als heimlicher Chefredaktor.
Redaktionsmitglieder berichten übereinstimmend, dass Simon Heusser "im Schraubstock zwischen Leutenegger und dem stellvertretenden Chefredaktor Markus Somm" nie wie ein Chefredaktor habe handeln und entscheiden können, wie die NZZ am Sonntag meldet. Leutenegger bestreitet in der NZZaS, dass Heussers Kompetenzen als Chefredaktor beschnitten worden seien: "Er hat die publizistische Freiheit und Verantwortung". Der Führungsbereich habe aber nicht funktioniert.
Heusser war lediglich ein Jahr lang als Chefredaktor der Weltwoche im Amt. Unter ihm schlug das Rechtsblatt einen offenen und progressiveren Kurs ein als unter seinem Vorgänger Roger Köppel, der zur Welt nach Berlin wechselte.
Redaktion wehrte sich gegen Eugen Sorg als Interimsleiter
Die Nachfolge Heussers ist noch nicht bestimmt. Am Freitag noch hiess es, interimistisch soll nicht der stellvertretende Chefredaktor Markus Somm, sondern vielmehr Eugen Sorg die Leitung übernehmen. Die NZZaS berichtet, dass sich die Redaktion aber erbittert gegen Eugen Sorg als interimistischen Chefredaktor gewehrt habe. Zudem seien zwei Mitglieder der dreiköpfigen Redaktionsleitung von Leutenegger nicht über seinen Plan informiert worden.
Die Redaktion der Weltwoche habe Leutenegger am Samstag vorgeschlagen, Blattmacher Andreas Dietrich als Chefredaktor ad interim einzusetzen. Gemäss NZZaS gilt Dietrich im Gegensatz zu Eugen Sorg als integrative Figur. Leutenegger habe aber gegenüber der NZZaS keine Stellung dazu nehmen wollen und habe erklärt, dass der interimistische Chefredaktor demnächst bekannt gegeben werde.