Eigentlich paradox: Nachdem das Kulturmagazin Du im vergangen Sommer mit unschönem Getöse von der Tamedia an den Thurgauer Niggli-Verlag verkauft wurde, gibt es vom deutschen ADC jetzt späte Ehrungen. Die beiden Zeitungsdesigner Wendelin Hess und Beat Müller wurden am Samstagabend in Berlin für die Gestaltung der Ausgabe "Was Zeitgenossen wissen müssen" und der David-Bowie-Nummer je mit Gold sowie für die Philip-Roth-Ausgabe mit Bronze ausgezeichnet. Der Entscheid fiel einstimmig.
Wie Wendelin Hess gegenüber "persoenlich.com" erklärte, sei er von dieser Ehrung völlig überrascht, zumal sie sich wegen Unstimmigkeiten mit dem neuen Verleger vom Du-Projekt zurückgezogen hatten. Im Beisein des ehemaligen Du-Chefredaktors und jetzigen Weltwoche-Journalisten Christian Seiler nahmen die beiden Designer die begehrten ADC-Nägel entgegen. Das Du sei ein in allen herausragendes Magazin, in welchem alles stimme, begründete Jury-Mitglied Markus Rasp den Entscheid. An der vorher abgehaltenen Pressekonferenz bedauerte ADC-Vorstandssprecher Sebastian Turner die ganzen Wirren um die Kulturzeitschrift.
Der Ehre nicht genug: Für die Gestaltung der Weltwoche-Jubiläumsnummer wurden Hess und Müller mit Bronze ausgezeichnet. Diesen Preis nahm Noch-Chefredaktor Roger Köppel entgegen, der ab Juni die deutsche Tageszeitung Welt leiten wird. Mit ihren vier Medaillen gehören die beiden Basler zu den erfolgreichsten Kreativen im deutschsprachigen Raum und verwiesen etablierte Magazine wie die Frankfurter Rundschau oder den Spiegel auf die hinteren Plätze. Im diesjährigen Ranking des deutschen ADC liegt der Du-Verlag auf dem hervorragenden sechsten Platz.
Spitze wird breiter
Unter den weiteren Ausgezeichneten befanden sich auch die Zürcher Werbeagenturen Jung von Matt/Limmat mit ihrer Bank-Bär-Kampagne (Silber/ Bronze), Spillmann/Felser/Leo Burnett (Bronze) sowie der Zürcher Fotograf Alberto Venzago mit seinen Voodoo-Bildern, die in der deutschen Illustrierten Stern erschienen sind (Bronze).
"Die Spitze wird breiter", kommentierte Jury-Präsident Werner Butter das diesjährige Ergebnis, "und das Schlechte ist auch nicht mehr das, was es einmal war." Aus den 7000 eingesandten Arbeiten wählte die Kreativjury 147 Medaillen aus -- rund 10 Prozent weniger als im Vorjahr. Deutlicher Gewinner war Jung von Matt, vor Springer & Jacobi, TBWA sowie Scholz & Friends. ADC-Vorstandssprecher Sebastian Turner glaubt bei den eingereichten Arbeiten einen kreativen Aufwärtsschub festzustellen. Not mache erfinderisch, interpretierte der Geschäftsführer von Scholz Friends diese Feststellung. Vor allem die schmalen Budgets der Auftraggeber förderten unkonventionelle und ungewöhnliche Ideen.