90 Prozent der Medienschaffenden in allen Sprachregionen kennen den Presserat, den berufsethischen Kodex und immerhin 70 Prozent die den Kodex ergänzenden Richtlinien. Ebenso bekannt sind den Journalistinnen und Journalisten die Stellungnahmen des Presserates. Diese werden jedoch zu selten ganz gelesen und in den Redaktionen kaum diskutiert, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Befragung vom Institut für Angewandte Medienwissenschaft der Zürcher Hochschule Winterthur hervorgeht.
Die am Dienstag veröffentlichte Studie wurde vom Presserat in Auftrag gegeben, um Anhaltspunkte zu erhalten, inwiefern Medienschaffende den Presserat, den berufsethischen Kodex sowie die ergänzenden Richtlinien kennen, im Berufsalltag anwenden und wie sie die Arbeit des Presserats bewerten. Dazu wurden anfangs 2007 in einer Online-Befragung ein repräsentatives Sample von 1329 Journalist/innen aus allen Sprachregionen der Schweiz befragt.
Heraus kam, dass redaktionelle Führungskräfte, besser gebildete und vor allem berufsspezifisch ausgebildete Journalisten den Presserat positiver beurteilen. Sie greifen im journalistischen Alltag eher auf den Kodex und die Richtlinien zurück. Die Untersuchung macht weiter deutlich, dass die Befragten vor allem über Medienberichte und Agenturmeldungen von den Stellungnahmen des Presserates Kenntnis nehmen. Diese werden leider in den Redaktionsräumen kaum diskutiert.
Trotz der geringen Relevanz im journalistischen Alltag wird der berufsethische Kodex als verständlich, nützlich, praxisnah und für berufsethische Debatten unverzichtbar bewertet. Ebenso gilt der Presserat laut Mitteilung als fachlich kompetent, praxisnah und aktiv, wenn auch die Öffentlichkeitsarbeit noch als verbesserungswürdig eingeschätzt wird.
Schlüsse über die Ergebnisse der Sudie hat der Presserat noch keine gezogen. Dazu wartet er nach eigenen Angaben noch die Ergebnisse einer vertiefenden qualitativen Studie ab, welche die vorliegende quantitative Studie ergänzen soll.