Wenn Anspruch und Wirklichkeit auseinander klaffen

"BaZ" - Auftakt des neuen Chefredaktors Markus Somm.

Noch am Montag verloren BaZ-Verleger Martin Wagner und sein neuer Chefredaktor Markus Somm viel schöne Worte über die „Basler Zeitung“ (BaZ), ihr (noch schwaches) Ansehen in der Schweiz und ihre künftige Rolle und Wahrnehmung. Auch versprach Wagner zum wiederholten Mal, kräftig in Journalismus und Recherche zu investieren (allerdings erklärtermassen ohne das Redaktionsbudget erhöhen zu wollen). Und nun das: Wer gestern Somms erste BaZ-Ausgabe und parallel dazu die Basellandschaftliche Zeitung (bz) durchblätterte, stellte fest, dass beide Zeitungen im ersten Bund ein identisches Streitgespräch zwischen Nationalrätin Anita Fetz (SP) und Nationalrat Primin Bischof (CVP) zur ALV-Revision abgedruckt hatten: Gleicher Lead, gleiche Fragen und Antworten, gleicher Autor (Ruedi Studer, Bundeshausredaktor der BaZ), fast identische Bilder. Bloss Titel und Aufmachung unterschieden sich.

Dass die BaZ und die Aargauer Zeitung (AZ) von Peter Wanner seit rund einem Jahr Texte austauschen, ist bekannt. Ursprünglich war aber davon die Rede, dass die BaZ mal eine Autoseite von der AZ übernimmt und die AZ (nicht die bz!) im Gegenzug vielleicht einen Kulturartikel. Dass nun aber BaZ und bz sich erlauben, am selben Tag im selben Bund dieselbe seitenfüllende Diskussion abzudrucken, erstaunt schon. Sogar in der BaZ-Redaktion.

Zwar wollten weder Wagner noch Somm dazu Stellung nehmen, immerhin aber der stellvertretende Chefredaktor Urs Buess. "Neu ist dieser Textaustausch nicht", sagt Buess. "Aber es ist mir heute auch besonders aufgefallen." Ursprünglich habe man den Textaustausch nur spärlich und in Nischen, mit der Zeit aber immer lockerer gepflegt, erklärt er. Mit der Zeit hätten dann auch die Inlandressorts der beiden Zeitungen aus Spargründen damit angefangen. Immer mit dem Segen von ganz oben, versteht sich. "Normalerweise tut es ja auch nicht weh, wenn einige Texte bei BaZ und AZ identisch sind – ausser sie erscheinen auch in der bz", stellt Buess fest. Doch genau das war jetzt prominent der Fall.

Wie aber verträgt sich dies mit dem seit einem halben Jahr gültigen Anspruch der BaZ, national mehr Beachtung finden zu wollen? Buess wirkt etwas ratlos. Er verweist auf die Historie seines Blattes: Unter den früheren BaZ-Besitzern habe man den Fokus eben auf Lokales und weniger auf Nationales und Internationales gelegt, sagt er. Deshalb sei der Textaustausch in diesen Ressorts auch freigegeben worden. "Ich weiss aber nicht, ob dies so bleibt", sagt er mit Blick auf den neuen Chefredaktor. Doch sein Fazit ist klar. "Unter dem Strich profitiert unsere Leserschaft davon, dass wir durch die Kooperation mit der AZ ein grösseres Angebot liefern können." Und das rechtfertigt offenbar auch die Peinlichkeit in Somms Erstausgabe.

(Text: Markus Knöpfli)