"Wenn ich über ein Produkt schreibe, ist es manchmal innert Stunden ausverkauft"

- Tina Roth Eisenberg ist im Internet unter dem Namen Swiss Miss unterwegs. Die Designerin lebt seit mehr als zehn Jahren in New York und betreibt mit swiss-miss.com den berühmtesten Schweizer Blog im Ausland. Mit ihren "Creative Mornings" möchte die gebürtige Appenzellerin international eine Vortragsveranstaltung etablieren. "persoenlich.com" sprach mit ihr über ihre Ziele, das Bloggen und nervende Onlinewerbung. Das Interview:

Frau Roth Eisenberg, vor rund zehn Jahren wanderten Sie nach New York aus. Warum?

Nachdem ich in München und Genf Kommunikationsdesign studiert habe, entschloss ich mich 1999 für drei Monate nach New York zu gehen. Innert 24 Stunden fand ich ein Praktikum und nach zwei Wochen wurde mir ein Job in einem kleinen Designstudio angeboten. Später wurde ich zur Design-Direktorin befördert. Ich blieb wegen der Arbeit hier hängen.

Und die Rückkehr in die Schweiz reizte Sie nicht mehr?

Selbst am 11. September 2001, als ich wegen den eingestürzten Twin Towers mit Staub bedeckt nach Hause laufen musste und den Job verlor, wollte ich in New York bleiben. Ich freelancte, hielt mich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und sagte mir immer wieder, dass ich mit dieser Stadt noch nicht fertig bin. Nach einem Jahr bekam ich bei einer bekannten Designfirma einen Job angeboten, arbeitete und machte mich später mit einem eigenen Studio in Brooklyn selbstständig. Da ich nicht alleine arbeiten wollte, mietete ich ein grösseres Büro und untervermietete sechs Tische. Wir bilden durch unsere Zusammensetzung heute so etwas wie eine Agentur und könnten einen Auftrag locker gemeinsam annehmen.

Sie führen den bekannten Blog swiss-miss.com. Können Sie vom Bloggen leben?

Vor vier Monate bekam ich mein zweites Kind und da sagte ich mir, dass ich nun mit Bloggen mein Geld verdienen möchte. So habe im letzten Jahr beispielsweise auch meine erste To-Do-App programmiert. Letzten Dezember habe ich diese online geschaltet und zwei Stunden später hat ein einflussreiches Online-Magazin geschrieben "Die beste To-Do-App 2009."

In der Schweiz kann niemand vom Bloggen leben. In den USA angeblich schon.

Ja. Ich schreibe nebenbei noch den noch den Howdyheidi-Blog. Switzerland Tourism in NY hat mich engagiert, weil ich für sie angeblich die ideale Botschafterin bin. Für ein Jahr blogge ich über Schweizer Sachen. Die Ideen gehen mir nie aus.

Über welche Themen schreiben Sie am liebsten?

Ich schreibe über persönliche Dinge, über Sachen die mich interessieren. Es ist mir wichtig, dass viel Humor drin ist. Mein Blog hat aber schon ein ganz klarer Fokus auf graphische Themen und Design.

Aber kein konkretes Konzept?

Ich übertreibe es nicht mit Babythemen (lacht). Ich möchte für meine Leser so etwas wie ein Filter sein. Wenn sie den gleichen Geschmack haben wie ich, dann finde sie sicher etwas. Ich erhalte jeden Tag von vielen Lesern Mails, die schreiben, dass dies oder das nach Swiss Miss schreit. In meinem Blog findet eigentlich alles Eingang, was mir gefällt, mir ins Auge sticht oder zum Schmunzeln bringt.

Kennen Sie Ihre Leser?

Die Leute in NY erkennen mich mittlerweile auf der Strasse. Als ich einmal in einer Bäckerei etwas holen wollte, erkannte mich die Frau hinter dem Tresen. I love your Blog, sagte sie. Ich schreibe ja ziemlich viel Persönliches und es irritiert mich, dass die Leute mehr über mich wissen als ich über sie.

Haben Sie eine gewisse Macht mit dem Blog?

Wenn ich über ein Produkt schreibe kann es sein, dass dieses innert Stunden dann auf einer Onlineplattform ausverkauft ist. Ich möchte vor allem jungen Designern bewusst eine Plattform bieten, ihre Ideen zu platzieren und ein Business aufzubauen.

Gibt es Grenzen?

Give-Aways haben auf meiner Seite nichts verloren. In den USA versuchen viele Marketers den Blogs Give-Aways zu verteilen. Das ist für mich ein "Saling-out". Werbung ist okay. Aber für mich ist es wichtig, dass meine Leser nicht das Gefühl bekommen, dass ich aus dem Blog eine Geldmaschine mache. Es gibt Blogs, die aus jedem verfügbaren Platz eine Werbung platzieren. Das geht nicht. Man muss seine Leser respektieren.

Trotzdem musst du Geld verdienen.

Bei mir erscheint nur relevante Werbung. Dafür arbeite ich mit einem Network zusammen, das es mir garantiert. Es ist wichtig, dass bei mir beispielsweise keine Tampon-Werbung erscheint, weil das für meine Zielgruppe nicht relevant ist. Oftmals merken die Leute nicht, dass bei mir Werbung drauf ist. Subtil muss es sein (lacht).

Nebenbei organisieren sie noch die Creative Mornings. Was ist das?

Es ist eine Art Vortragsreihe. Es geht darum, einmal pro Monat Designinteressierte zu einem zehnminütigen Vortrag mit Frühstück und anschliessender Diskussion einzuladen. Ich habe gemerkt, dass die Leute den Kontakt schätzen und nicht immer über das Internet unterhalten möchten.

Was ist Ihre Vision?

Creative Mornings soll international werden. So etwas wie die TED Konferenz in den USA einfach im kleinen Rahmen. Die Leute sollen sich frühmorgens treffen und sich austauschen ohne tief in die Tasche greifen zu müssen.

(Interview: Christian Lüscher)