Wenn sich Medienkritiker streiten

Medienspiegel.ch - "Adlernase irrt": Edgar Schuler schiesst gegen Rainer Stadler von der NZZ.

Die Berichterstattung über Flüchtlinge ist verstummt, bilanziert Medienredaktor Rainer Stadler am Freitag in der "Neuen Zürcher Zeitung". Journalisten und Leser seien wohl von der Dauerberichterstattung erschöpft und wollten sich nicht mehr mit dem Thema auseinandersetzen.

Stadler schliesst seinen Kommentar mit dem Fazit: "Das bestärkt den Verdacht, dass wir nur unzuverlässig und willkürlich über das informiert werden, was ist." Medien schreiben nicht über das, was ist, sie verfallen einem Hype und lassen die Realität ausser Acht: Stadlers Analyse ist nicht neu und wurde schon oft kontrovers diskutiert.

Der aktuelle Widerspruch kommt von Edgar Schuler. Der Redaktor des "Tages-Anzeigers" schreibt auf Medienspiegel.ch von einem "verpatzten Timing" und hält dagegen: "Die Berichterstattung über das Flüchtlingselend hält sich nämlich erstaunlich gut."

Tatsächlich hatte es just am Tag zuvor im "Tages-Anzeiger" zwei grosse Reportagen zur Flüchtlingskrise: aus Brig und aus dem Süden Serbiens. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hat zudem – wie zuvor schon der "Blick" – Flüchtlinge die aktuelle Ausgabe mitgestalten lassen.

Schulers Kritik kommt jedoch ungewöhnlich plump daher: Unter der Überschrift "Adlernase irrt" nennt er Stadler nicht beim Namen. Das Anagramm "Eiland Rarster" muss für den "preisgekrönten Medienredaktor mit der markanten Nase" herhalten. Einen Link zum kritisierten Text gibt es nicht.

Stadler ist ob der Anspielungen verständlicherweise irritiert: "Das Anspielen auf beliebige Äusserlichkeiten entspricht dem Verhalten von Pennälern", kommentiert er den Artikel auf Medienspiegel.ch. (ruh)