Immer fünf Minuten besser lautete ihr Werbeslogan. Wie viele Minuten liegen Sie nun mit den neuen Studios im Vorsprung?
Mit der Renovation der Studios wollen wir den gegenwärtigen Vorsprung auf jeden Fall ausbauen. Dass wir schneller sind als die Konkurrenz ist mehr als bloss ein Slogan, schliesslich kommen unsere Nachrichten immer 5 Minuten früher. Mit dem neuen Studio konnten wir die räumliche Grundkonzeption zwischen Moderation und Redaktion optimieren, so dass die Redaktoren nun unmittelbar neben den Studios der Moderatoren sitzen. Damit werden wir noch schneller, was im Medium Radio, bei dem oft Sekunden zählen, durchaus entscheidend ist. Wir erhoffen uns, dass die Leute spüren, wie schnell bei uns Informationen vermittelt werden.
Sie behaupten von sich, über die modernsten Radiostudios Europas zu verfügen. Wie modern sind denn die Inhalte, die bei Ihnen über den Äther gehen?
Unsere Inhalte waren schon immer modern. Im Vordergrund steht bei uns die Aktualität, wir wollen die Vorteile des Radios, nämlich dessen Geschwindigkeit bei der Vermittlung von Informationen, gegenüber den Medien Print und TV in vollem Masse ausspielen. Im übrigen ist es kein Werbegag, dass wir die modernsten Radiostudios Europas besitzen. Unser technisches Equipment basiert auf der neuesten gegenwärtig verfügbaren Technologie. Allerdings geht der technologische Wandel so rasch von Statten, dass wir diesbezüglich wohl schon in einem halben Jahr wieder überholt werden.
Sie spielen nach eigenen Angaben das breiteste Musikspektrum aller Schweizer Privatradios. Wie kommen Sie darauf?
Das musikalische Spektrum ist ziemlich genau zu quantifizieren anhand der Songs, die ein Sender in der Rotation hält. Während etwa unsere beiden Zürcher Konkurrenten Radio 24 und Energy ca. 300-900 Songs spielen, sind es bei uns über 3500 Titel. Im Gegensatz zu den meisten anderen Privatsendern, die lediglich Songs aus den vergangenen zwanzig Jahren spielen, reicht unsere Musik zurück bis in die sechziger Jahre. Eine von uns durchgeführte qualitative Studie stützt im Übrigen diese Strategie der Vielseitigkeit: Es scheint eine spezielle Hörgewohnheit der Schweizer zu sein, dass sie ein breiteres Spektrum wünschen als etwa die Amerikaner oder die Deutschen. Diese Tatsache wurde von jenen Beratern, die die meisten Sender von einer schmalen Auswahl an Songs überzeugt haben und den Wiedererkennungswert eines Hits in den Vordergrund stellten, nicht erkannt. In den vergangenen Jahren hat sich dieser Trend jedoch als falsch erwiesen. DRS3 etwa spielt heute wieder ein breiteres musikalisches Spektrum.
Dadurch könnte Radio Zürisee seinen Spezialstatus jedoch wieder verlieren. DRS3 gewinnt in der Deutschschweiz rasch Höreranteile hinzu...
Es könnte in der Tat sein, dass wir in unserer Nische immer mehr in Bedrängnis geraten werden, wenn unsere Konkurrenz dieselben Songs spielt wie wir. Dem können wir nur entgegenwirken, indem wir uns schon jetzt über unsere künftigen Entwicklungschritte Gedanken machen.
Über 12 Prozent der gespielten Songs auf DRS3 stammen aus heimischer Produktion. Damit hält es die geforderten Richtwerte der Schweizer Musikschaffenden ein. Wie patriotisch ist Radio Zürisee in dieser Hinsicht?
Ich möchte erst mal vorausschicken, dass ich absolut gegen eine Quotenregelung bin. Indem man die Sender zwingt, Schweizer Songs zu spielen, macht man der heimischen Szene keinen Gefallen, da diese es dann nicht mehr nötig hat marktgerecht zu produzieren. Für mich gilt: Nur wer den Publikumsbedürfnissen Rechnung trägt, hat ein Recht gespielt zu werden. In den vergangenen Jahren ist jedoch soviel tolle Schweizer Musik auf den Markt gekommen, dass ich selber sagen muss: Das ist super, absolut genial, das spielen wir auch freiwillig. Dabei erinnere ich mich, dass noch vor ein paar Jahren Dialektlieder stark polarisiert haben. Heute kommen Dialektsongs dagegen sehr gut an. Auch wir spielen deshalb pro Stunde mindestens 2-3 Titel aus dem Inland, was mindestens der DRS3-Quote entspricht. Sender, die heute keine Schweizer Interpreten spielen, zielen am Markt vorbei.
Im vergangenen Jahr hat DRS3 kräftig zugelegt -- auf Kosten der Privatradios. Spüren auch Sie einen stärkeren Druck von Seiten der Öffentlich-Rechtlichen?
In unserem Kernkonzessionsgebiet (von Glarus bis Zürich) spüren wir das Erstarken von DRS3 kaum. Wir sind weiterhin klare Nummer eins. In jenen Teilen der Deutschschweiz, die nicht Teil unseres Kerngebiets sind, bemerken wir allerdings, dass DRS3 im Vormarsch ist. Problematisch an dieser Entwicklung erscheint mir, dass das Programm von DRS3 mit Konzessiongeldern finanziert wird, obwohl sich der öffentliche Sender hinsichtlich des Programms grundsätzlich kaum mehr von den Privaten unterscheidet.
Würde denn Radio Zürisee vom kommenden Gebührensplitting profitieren?
Nein, wir werden keine öffentlichen Mittel erhalten. Die Verteilung der Gebühren funktioniert nach dem Prinzip Berghilfe. Platt gesagt: Je höher das Radiostudio gelegen ist, desto grösser die Chancen auf Konzessionsgelder. Wir stören uns dabei vor allem an einem Gesichtspunkt: Wenn ein Radio dank den Konzessionsgeldern ins Unterland hinunterstrahlen kann und uns damit existenziell bedroht, ist dies marktverzerrend und nicht in Ordnung. In eben dieser Situation befinden wir uns beispielsweise mit Radio Central und in schwächerem Masse mit Radio Grischa. Auf diese Schwäche der neuen Lösung haben wir auch den Ständerat aufmerksam gemacht. Wir sind nun gespannt, wie es weiter geht. Ansonsten haben wir kein Problem damit, dass wir keine öffentlichen Zuschüsse erhalten. Wir können uns zu hundert Prozent selber refinanzieren.
Welche Region ist denn für Sie strategisch von grösserer Bedeutung, der Raum Zürich oder die obere Zürichseeregion und das Glarnerland?
Die Stärke der Regionalradios bemisst sich an der regionalen Verankerung. Lokale Informationen aus fremden Gebieten interessieren den Hörer kaum. Insofern sind Sendern wie Radio Zürisee bei der Expansion gewisse Grenzen gesetzt. Unsere Stammgebiete werden wir deshalb in Zukunft weiterhin so versorgen wie bisher. Das Dümmste wäre es, Radio Zürisee zum reinen Stadtradio machen zu wollen. Damit würden wir unsere Stammregionen verlieren, also jene, in welchen wir klare Nummer eins sind.