Wer kommt zum Handkuss?

- Der Kampf um die Zürichsee-Zeitung ist voll entbrannt. Publigroupe/NZZ und Tamedia verhandeln mit allen taktischen und strategischen Möglichkeiten mit Verleger Thedi Gut, um den in Frage stehenden Minderheitsanteil von 22.5 Prozent in die eigenen Hände zu bekommen. Da Gut als Mehrheitsaktionär ein Vorkaufsrecht hat, könnte er die beiden Bräute gegeneinander ausspielen, wenn er wollte. Doch will er? Das Interview:

Wie fühlt man sich, wenn man von gleich zwei Bräuten umworben wird?

Es ist eine ungewohnte Situation.

Lässt man sich gerne von beiden liebkosen, bis es nicht mehr geht?

Nein. Das ist eine Situation jetzt, die nicht sehr stabil ist. Irgendwann muss ich mich entscheiden. Bis dahin ist es nicht stabil.

Belastet Sie das?

Ich nehme es einigermassen gelassen. Aber es beschäftigt mich.

Aber eigentlich ist es die beste Situation, die ein Regional-Zeitungsverleger in diesen Zeiten überhaupt haben kann?

Uns war es vorher sehr wohl, als wir neutral sein konnten

Sie möchten gar nichts geändert haben?

Wir haben null Bedarf für Veränderungen. Jetzt werden wir möglicherweise zu einer Veränderung gezwungen.

Wann ist Ihr Entscheid zu erwarten?

Das wird noch einige Monate dauern, aber nicht ewig.

Geht es wirklich nur um ein von der „P“ gehaltenes Minderheitspaket von 22.5 Prozent oder auch um das Ganze?

Es geht nur um den Minderheitsanteil. Das entscheidende Kriterium wird sein, welche Lösung die beste für die Zürichsee-Zeitung ist. Wir wollen unsere Selbständigkeit erhalten, soweit man als Regionalzeitung selbständig bleiben kann. Das heisst: Wir haben Kooperationen im Druck und Inseratekombis, doch die Zeitung soll selbständig bleiben.

Gemäss NZZ müssten Sie dann die NZZ-Lösung wählen, zum einen, weil die NZZ ihren Partnern die Selbständigkeit belässt, zum andern, weil die politische Ausrichtung eine ähnliche ist wie die Ihrer Zeitung.

Beide, Tagi und NZZ, haben ein Interesse am Grossraum Zürich und erarbeiten derzeit Lösungsmöglichkeiten.

Ist es letztlich eine Geldfrage? Es wäre nichts als normal, wenn Sie den Zuschlag dem Meistbietenden geben?

Natürlich ist es auch eine Geldfrage. Ganz klar. Wir wählen aber die Lösung, die für die Weiterführung der Zeitung die gedeihlichste ist.

Man hört, dass die Bewerber mit Goodies um die Braut werben, mit Ferienhaus auf Madeira zum Beispiel.

Nein. Davon ist mir nichts bekannt.

Mit 22.5 Prozent hätte aber keiner der beiden Grossen wirklich das Sagen bei der Zürichsee-Zeitung. Geht es in Wirklichkeit um mehr, um die über Jahre geplante Vollübernahme?

Sicher nicht. So einen Vertrag würden wir nie unterschreiben. Der Verkauf der Mehrheit kommt nicht in Frage.

Warum nicht? Dies wäre finanziell der allerbeste Zeitpunkt? Die Konjunktur ist schlecht, und man könnte durch diese Situation am meisten herausholen?

Weil wir seit 160 Jahren eine Familiengesellschaft sind. Ich bin voraussichtlich noch zehn Jahre operativ tätig bis zur Pensionsgrenze von 65 Jahren. Was danach ist, da kann man dann weiterschauen. Finanziell wäre es wohl der beste Moment, das ist durchaus richtig, aber wenn man einmal verkauft hat, dann hat man nichts mehr. Ich hatte immer Freude, die Zeitung und das Radio zu betreiben.

Sind Sie denn überhaupt gezwungen, sich jetzt für einen der beiden Partner zu entscheiden?

Wir haben das Vorkaufsrecht auf den Minderheitsanteil. Bisher hat uns aber die Publigroupe noch nicht formell benachrichtig, dass sie ihren Anteil verkaufen will. Also sind wir im Moment noch zu gar nichts gezwungen.

Die aktuelle Situation ist für Sie also eher unangenehm?

Ja. Die Situation muss sich in den nächsten Monaten klären. Dann wird man auch wissen, was mit den anderen Zürcher Landzeitungen passiert. Derzeit weiss man nicht, was mit dem Zürcher Oberländer geht, der Zürcher Unterländer wandert wohl Richtung NZZ, und was beim Landboten passiert, ist offen. Die Situation muss sich im 2005 beruhigen.