Mit dem Softwareupdate iOS9 ermöglicht Apple erstmals Werbeblocker auf mobilen Geräten. Wer eine entsprechende App herunterlädt, kann die Inhalte auf Onlineportalen über den Safari-Browser ohne Anzeigen konsumieren. Für Android sind solche Tools bereits länger verfügbar. Diese Neuerung ist vor allem für Schweizer Verlage brisant. Während auf dem weltweiten Markt Android-Geräte mit über 80 Prozent dominieren, nutzen hierzulande über die Hälfte der Smartphonebesitzer ein iPhone.
Das Filtern von Werbung bringt für den Leser diverse Vorteile: Die Seite lädt schneller und der Lesefluss wird nicht gestört. Dies zeigen auch die hohen Downloadzahlen von solchen Diensten.
Eine Antwort auf Branchenebene
"Adblocking stellt einen Herausforderung dar und wird uns künftig noch stärker beschäftigen", sagt Ringier-Sprecher Edi Estermann auf Anfrage. Auch bei Tamedia und der NZZ-Gruppe beobachtet man die Entwicklungen genau, will sie aber nicht dramatisieren. "Der Einsatz von Werbeblockern ist nicht neu und auch nicht ein ausschliesslich digitales Phänomen, sagt Michael Marti, Leiter Tagi Online gegenüber persoenlich.com. Wer einen "Stopp Werbung“-Kleber am Briefkasten anbringe, setze ja auch einen Art Filter ein.
An der Falkenstrasse verweist man darauf, dass die Entwicklung eine Antwort auf Branchenebene verlangt. Der einzelne Verlag habe gegenwärtig die Möglichkeit, Adblocker-Nutzern den Zugriff auf die eigene Website zu verwehren oder sie zu bitten, den Filter zu deaktivieren, teilt NZZ-Sprecherin Myriam Käser auf Anfrage mit.
Die Safari-Ansichten von Nzz.ch links ohne Aktivierung eines Adblocker und rechts mit.
Genau dies versuchen Portale in den USA wie die "Washington Post“ oder "Atlantic“ zurzeit. Solche Tests sind bei Tamedia, NZZ und Ringier nicht in Planung. Bei der "Neuen Zürcher Zeitung" beschäftigt sich jedoch eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit dem Thema. "Vor dem Hintergrund unserer Bezahlstrategie prüfen wir die Option, Werbeblocker-Software zu akzeptieren, wenn ein Leser Abonnent ist“, sagt Käser.
Intelligente und nützliche Werbung
Beim "Tages-Anzeiger“ sucht man nach einer langfristigen Lösung: "Grundsätzlich geht es darum, unseren Mobil-Lesern eine gute Nutzererfahrung zu ermöglichen und mit intelligenter und für den Konsumenten nützlicher Werbung die Akzeptanz zu steigern“, sagt Marti. Diesbezüglich ist er zuversichtlich: Dank Targeting-Techniken und Analyse-Methoden könne Onlinewerbung laufend weiterentwickelt und optimiert werden.
Ähnlich klingt es an der Dufourstrasse bei Ringier: "Wir sind bestrebt, Werbung generell kreativ und für die Nutzer so relevant und interessant zu gestalten, dass sie nicht als störend, sondern als informativ und unterhaltsam empfunden wird", sagt Estermann. Hier gebe es zunehmend gute Beispiele und man versuche diesen Trend im Gespräch mit Werbekunden weiter zu verstärken.
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Aus journalistischer Sicht kann man darüber diskutieren, ob das Filtern von Werbung eine Art Abmachung zwischen Lesern und Verlagen verletzt. Nämlich jene, Inhalte gratis zur Verfügung zu stellen, indem man sich durch Werbung finanziert. Fraglich ist hierbei, ob es die Aufgabe des Konsumenten ist, sich für die Verlage den Kopf zu zerbrechen und sich zu überlegen, wie sich diese finanzieren. Erst recht dann, wenn man mit einem Abo für Print oder Online dafür bezahlt.
Text: Michèle Widmer, Bilder: Screenshots