Werner De Schepper bietet Peter Übersax Paroli

Blick - "Lieber freche 'Rätschwiiber' als dumme Parolen".

Unter dem Titel "Lieber freche 'Rätschwiiber' als dumme Parolen" hat Chefredaktor Werner De Schepper in der Blick-Samstagausgabe auf ein Interview im aktuellen "persönlich rot" mit Peter Übersax reagiert. De Schepper scheint vorallem ein Satz des grossen alten Mannes des Schweizer Boulevardjournalismus und einstigen Blick-Chefredaktors aufzustossen. "persoenlich.com" bringt seine Replik im Original-Ton:

Liebe Leserinnen und Leser

sind Sie ein bisschen einfach gestrickt und deshalb grundsätzlich SVP-freundlich?

Diese sonderbare Ansicht vertrat diese Woche ein früherer Blick-Chefredaktor. In einer Hochglanzpostille für Werber äussert er sich wie folgt: "SVP-Wähler sind von ihrer geistigen Strukturierung viel eher Blick-Leser als die Wähler anderer Parteien, weil sie für Schlagworte, für einfache Parolen und simple Lösungen viel empfänglicher sind."

Was sagt dieser Satz über die Blick-Leser? Nichts. Er verrät nur den, der ihn gesagt hat. Denn Blick hat 736'000 Leserinnen und Leser. 736'000 Menschen sind 736'000 Unikate. Kein Mensch ist gleich wie der andere. Wir kennen zwar unterdessen den genetischen Code des Menschen, aber wie jeder Einzelne denkt, fühlt und handelt, können wir trotz aller psychologischer, medizinischer und soziologischer Erkenntnisse bestenfalls beschreiben und erahnen, aber nie einfach wissen.

Am Blick-Telefon hatte ich diese Woche Gelegenheit, mit rund einem Dutzend Leserinnen und Lesern des Blick zu diskutieren. Sie stehen nicht stellvertretend für alle 736'000. Im Gegenteil. Jeder hatte einen anderen, nämlich seinen ganz persönlichen Zugang zum Blick.

Die Blick-Leser sind verschieden. Einig sind sie sich aber im Anspruch an uns. Sie messen uns an dem, was wir versprechen und an dem, was wir schon getan haben. So stört es sie, wenn wir unkritisch Mächtige und Reiche bejubeln und die Sorgen und Nöte des Alltags vergessen.

Der Blick haut mit der Faust auf den Tisch, wenn Unrecht geschieht. Aber es gibt nie eine Lösung, wenn man nicht auch die Hand öffnet. Parolen lösen keine Probleme.

Wer aber behauptet, SVP-Wähler seien geistig so strukturiert, dass sie nur für Simples empfänglich seien, beleidigt alle SVP-Wähler als intellektuell minderwertige Bürger. Erschreckend: Dieser alte Mann, der das behauptet, ist ein glühender Bewunderer Blochers. Er ist ein falscher Freund der SVP.

An der Fasnacht sass ich mit Gewerbetreibenden -- darunter auch SVP-Wähler -- am Oltner Schnitzelbankabend. Was auffiel: Blocher ist ein ganz normaler Bundesrat geworden. Wie jeder andere Bundesrat auch wurde er von den Fasnachtszünften durch den Kakao gezogen. Auch seine Wähler lachen ungeniert, wenn fesche "Rätschwiiber" Blochers Sololäufe kommentieren:

"Der Blocher seit nei -- ond meint jo

denn seit är jo -- ond meint ou jo

denn seit är nei -- ond meint ou nei

ond esch ganz ellei."

Werner De Schepper, Chefredaktor Blick

--> Einen Ausschnitt aus dem Interview mit Peter Übersax finden Sie unter http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=49642