Der Blick-Journalist H. Elias Fröhlich ist am Samstag als "Musicstar"-Juror abgesetzt worden. SF DRS spricht von "Interessenkonflikten". Am Freitag hatte der Blick einen grossen Artikel publiziert, der ein offenbar gebrochenes Ehe-Versprechen des "Musicstar"-Kandidaten Piero Esteriore zum Thema hatte. Presseberichte über Fröhlichs Rolle bei dieser Geschiche divergieren, weshalb "persoenlich.com" bei Blick-Chefredaktor Werner de Schepper (Bild) nachgefragt hat. De Schepper spricht von einer "abgekarteten" Sache, das Plattenlabel Universal Music habe von Anbeginn an einen Vertreter in der Jury gewünscht. Das Interview:
Ihr Musikredaktor H. Elias Fröhlich sagte am Freitag gegenüber der Basler Zeitung, er habe nichts mit dem Blick-Artikel über eine offenbar geplatzte Hochzeit von "Musicstar"-Kandidat Piero Esteriore zu tun. Im Blick vom Montag schreiben Sie, Blick habe "durch seinen Musikexperten Fröhlich eine Stellungnahme von Piero eingeholt". Wer lügt?
Was im Blick steht, stimmt -- wie immer. Die Wiedergabe in der BaZ war eine verkürzte Darstellung, die unzutreffend und missverständlich war. Tatsache ist: Die von Piero Esteriore verschmähte Liebhaberin meldete sich beim Blick. Darauf checkte H. Elias Fröhlich die Geschichte bei Piero. Fröhlich übte also nur eine Go-Between-Funktion aus, angeregt hat er die Geschichte nicht. So gesehen ist auch seine Aussage in der BaZ richtig. Fröhlich hat seine normale Journalisten-Funktion, oder vielmehr eine amputierte Journalisten-Funktion, wahrgenommen.
Besagter Piero wiederum will mit dem Blick gemäss BaZ nie über "diese Beziehung" geredet haben. Wer lügt?
Das ist doch Blödsinn! Es geht nicht um Lügen, sondern um Interpretationsverschiebungen. Fröhlich ist a priori Journalist, das sagten wir dem Schweizer Fernsehen auch von Anfang an -- "wenn Ihr ihn trotzdem wollt, dann ok", habe ich gesagt. Das war auch für Piero klar. Ob Piero allerdings so gewandt ist, dass er mit einem grösseren Artikel rechnete, weiss ich nicht. Das ist denn von unserer Seite auch der grösste Vorwurf an SF DRS, dass es -- im Gegensatz zu "Deutschland sucht den Superstar" -- keine professionelle Rundum-Betreuung der Kandidaten gibt. Das führte letztlich auch dazu, dass die angeblichen adoleszenten Drohgebärden der Piero-Fans nun ausser Kontrolle geraten.
Trotzdem: Sie helfen mit, Piero Esteriore zu verheizen.
Esteriore wird nicht verheizt. Er wusste, worauf er sich einlässt. Das Format wurde schliesslich auf der ganzen Welt diskutiert. Zudem wusste Piero, dass er mit einem Blick-Journalisten spricht, als er Fröhlichs Frage bestätigte. Solche Situationen gehören eben auch zu den Belastungen, die auszuhalten ein "Musicstar" fähig sein muss. Das ist Teil des Startums.
Als "wahren Grund für den Fröhlich-Rausschmiss" nennt der Blick die Angst von SF DRS vor "Pieros Prügelkumpeln". Das Schweizer Fernsehen erklärt die Entlassung mit "Interessenkonflikten". Wer lügt?
Wir bedauern Fröhlichs Absetzung, die Welt geht deswegen aber nicht unter. Der Vorfall zeigt höchstens, wie sehr die Sendung dem Schweizer Fernsehen über den Kopf wächst. Ganz wichtig ist die Chronologie: Zuerst nannte man auch mir gegenüber "Interessenkonflikte" als Grund. Das konnte ich jedoch sauber widerlegen, indem ich die Rolle von Fröhlich aufzeigte: Er hat keine Geheimnisse weitergeleitet -- was aber sowieso kein Problem gewesen wäre. SF DRS konnte den Vorwurf in der Folge nicht mehr in der gleichen Härte stehen lassen. Trotzdem war bereits ein Nachfolger bezeichnet -- nota bene, nachdem es am Vortag noch geheissen hatte, Fröhlich werde bleiben. Das zeigt mir, dass die Sache mit Universal abgekartet war: Die wollten von Anfang an dabei sein, schliesslich haben sie als Vermarkter starke -- und auch legitime -- Interessen. Uns gegenüber hat das Schweizer Fernsehen darauf die Sicherheitsüberlegungen gestanden, die wir im Blick veröffentlicht haben. Unterhaltungschef Max Sieber hat die Aussage übrigens gegenüber dem Blick-Verlagschef und gegenüber Fröhlich wiederholt. Ob diese Angst letztlich wieder ein Vorwand ist, weiss ich nicht. Universal-Manager Ivo Sacchi war auf alle Fälle bereits gesetzt und stand schon bereit, und der Interessenkonflikt war nur ein vorgeschobener Grund. Es ist im übrigen klar, dass alle unter enormem Druck stehen, auch Show-Chef Toni Wachter, der über die Absetzung offenbar ziemlich allein entschieden hat. Entsprechend moralisiere ich auch nicht. Ich konstatiere nur.
Bei Fröhlichs Nachfolger Sacchi orten Sie nun Ihrerseits einen Interessenkonflikt. Wie sieht der denn aus?
Da können Sie selber darüber nachdenken.
Helfen Sie mir, bitte. Im Blick gab er nur Andeutungen, und ich selber erkenne keinen Konflikt, wenn ein Juror den seiner Meinung nach besten Kandidaten fördert.
Prinzipiell ist der Einfluss eines Jurors, ob Journalist oder Vermarkter, natürlich klein. Denn letztlich wählt das Publikum. Aber als Vertreter von Universal versucht man natürlich, denjenigen reinzuholen, bei dem man die grössten Vermarktungschancen vermutet. Da kann einer dann durchaus mal für einen Kandidaten stimmen, den er persönlich vielleicht gar nicht den idealsten findet. Im übrigen habe ich nur gesagt, es bestünden Interessens-Konflikte. Wie diese Konflikte gelöst werden, weiss ich nicht.
Bis jetzt hat der Blick "Musicstar" äusserst wohlwollend begleitet. Wird sich das nun ändern?
Nein, das wäre völlig falsch. Was gestern ein gutes Format war, wird nicht über Nacht schlecht. Die Sendung ist spannend, auch wenn die Kommentare von Ivo Sacchi weniger pointiert sind als die von Fröhlich. Wir sind weder nachtragend, noch eine moralische Instanz. Wir versuchen einfach, so nahe an den Fakten zu bleiben, wie möglich, und alles aufzuklären. Rache gibt es von uns aber keine, das wäre grotesk.
Das Verhältnis zwischen Blick und SF DRS war in den zwanzig Jahren seit Chefredaktor Übersax einvernehmlich. Wird sich das nun ändern?
Aber sicher, ich bin der neue Übersax, der nun wild gegen SF DRS schiessen wird; "Musicstar" war nur der Anfang. (lacht)