Die Schweizer Kabarettistin Sibylle Birkenmeier rechnet in der "Schweiz am Sonntag" mit der Schweizer Politsatire ab. "Unsere Polit- und Medienkultur arbeitet mit dicken Wolldecken aus Filz. Die Vorgänge werden hier immer abgefedert, abgedeckt, gedämpft, zugedeckt, gepolstert. Unter dieser schweren Decke bewegt sich seit Jahren auch unsere Satirelandschaft", schreibt sie in einem exklusiven Beitrag.
Ohne Viktor Giacobbo und das Schweizer Fernsehen zu nennen, beklagt sie deren Machtfülle. "Die alleinige Definitionsmacht über das, was Kabarett in der Schweiz zu sein hat, liegt bei einem einzigen TV-Sendegefäss. Ein grosses Autorenteam schreibt dort wohnstubentaugliche Pointen für einen kleinen Kopf, der dort gross im Geschäft ist. Kleines Land braucht kleine Witze? Unter dieser Decke ist die Schweiz mehr und mehr zur satirefreien Zone geworden", so Birkenmeier. Dies würden selbst Medienleute beklagen. Auch ein rosa Hahnenkamm (Anm. d. R: Andreas Thiel) helfe da nicht, obschon es heisse, das sei Polit-Satire. Doch von Inhalten habe sich dieser längst verabschiedet.
Ganz ohne Satire gehe es dann doch nicht, schreibt Birkenmeier weiter: "Wenn es zur Abwechslung mal richtig zur Sache gehen soll, bestellt man sich eben mal eine gute Fachkraft aus Deutschland ins Theater." (SaS)