Wie Medienfrauen Frauen fördern

Swiss Media Forum 2018 - Der «Blick»-Newsroom sei schon eine «Männerarena», hat Katia Murmann anlässlich des Chefredaktorinnen-Panels festgestellt. Zusammen mit Ariane Dayer und Judith Wittwer diskutierte sie über die Wichtigkeit von Chefinnen in einer männerdominierten Branche.

von Anna Sterchi

Beim Panel «#TimesUp in der Medienbranche» hat Moderatorin Susanne Wille am Donnerstag am Swiss Media Forum drei Chefredaktorinnen auf den Zahn gefühlt: Judith Wittwer vom «Tages-Anzeiger», Katia Murmann von blick.ch und Ariane Dayer von «Le Matin Dimanche» und Tamedia Romandie sprachen über ihren persönlichen Weg nach oben. Murmann zufolge ist das Umfeld, das an einen glaubt, zentral, um Chefredaktorin zu werden. Wittwer fand, sie sei als Frau nicht benachteiligt worden. Im Gegenteil, die Tamedia-Unternehmensleitung habe sie ermutigt, die Führungsposition zu übernehmen.

Warum es Frauen in der Chefetage braucht

Die drei Journalistinnen waren sich einig, dass es wichtig sei, dass es künftig mehr Chefredaktorinnen gebe. Frauen seien in den Redaktionen stark unterrepräsentiert, so Wittwer. «Es gilt als erwiesen, dass Diversität die Produktivität fördert. Und – Frauen können es genauso gut», fügte sie an.

Laut Murmann ist der «Blick»-Newsroom schon eine «Männerarena», trotzdem könne man als Frau auch ohne Offzierston zum Ziel kommen. Frauen würden keinen anderen Journalismus machen als Männer, aber sie setzten andere thematische Schwerpunkte.

«Männer sind lauter»

Die blick.ch-Chefredaktorin erklärte weiter, dass Frauen oftmals zurückhaltender und weniger selbstbewusst seien als ihre männlichen Kollegen. «Die Männer sind immer lauter als wir.» Gleichzeitig appellierte sie an ihre Berufskolleginnen: «Wir dürfen uns nicht damit zufrieden geben, dass die Männer zahlreicher und lauter sind als wir. Wir müssen dranbleiben.» Daher wolle sie junge Frauen ermutigen, Karriere im Journalistinnenberuf zu machen.

Generell wäre eine hohe Bereitschaft in den Medienhäusern da, Frauen zu fördern, meinte die Tagi-Chefredaktorin. Die Hürden seien kleiner und subtiler: Das Hauptproblem sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. «Punkto Präsenzzeiten sind wir in den Medien oft noch sehr konservativ», so Wittwer. Wollten Firmen Frauen wirklich fördern, sollten sie etwa ermöglichen, dass sich Mitarbeitende auch über Hangouts von zu Hause aus einschalten könnten.

Es braucht weibliche Vorbilder

Dem pflichtete Murmann bei: «Die grösste Hürde war für mich, als ich Kinder bekommen habe.» Für junge Frauen wäre es an diesem Punkt einfach, auszusteigen. Junge, talentierte Journalistinnen zu verlieren, sei zu verhindern. Wichtig sei, dass man mit den Frauen offen über die Problematik spreche und sie ermuntere, Job und Familie unter einen Hut zu kriegen. Sie selber gehe mit gutem Beispiel voran.

Wittwer fügte an, sie glaube an die Macht der Worte und Bilder: «Wir Journalistinnen müssen über Frauen berichten, die beruflich erfolgreich sind und gleichzeitig eine Familie haben. Diese Vorbilder müssen sichtbar werden.» Auch Dayer ist sich ihrer Vorbildfunktion bewusst: Sie wolle ihren Mitarbeiterinnen vorleben, dass die Aufgabe als Chefredaktorin viel Freude mache.


Das Swiss Media Forum findet noch bis am Freitag im KKL Luzern und auf einem Schiff statt. persoenlich.com berichtet laufend über den Schweizer Medienkongress.