Publizistik- und kommunikationswissenschaftliche Hochschulstudiengänge sehen sich seit Mitte der neunziger Jahre mit einem überdurchschnittlichen Zustrom von Studierenden konfrontiert. Diese Entwicklung hat innerhalb und ausserhalb der Universitäten die Frage aufgeworfen, inwiefern und wo auf dem Arbeitsmarkt eine Nachfrage nach den Absolventen dieser Studiengänge existiert. Vor diesem Hintergrund hat das IPMZ -- Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich zum zweiten Mal nach 1997 eine Befragung seiner Absolventen durchgeführt.
Die Studie kommt zum Ergebnis, dass die Absolventen des Zürcher Studienganges ungeachtet der angespannten Stellensituation in der Medien- und Kommunikationsbranche wenig Mühe haben, eine Anstellung zu finden, wenngleich die Anstellungsbedingungen in Bezug auf Stellenprozente, Entlöhnung oder Anstellungsstatus durchaus variieren würden. Nicht bewertet wird, dass jeder Fünfte der Befragten den Einstieg als schwierig empfindet und 10 Prozent angeben, ohne Anstellung zu sein. Im Erhebungszeitraum der Studie im Juni/Juli August betrug die Arbeitslosenquote gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) 3.7 bzw. 3.6 Prozent. Sind also nicht überdurchschnittlich viele Absolventen ohne Anstellung?
"Wir betrachten die Zahl von 90 Prozent vermittelter Absolventen als hohe Quote. Sie steigt ausserdem noch an, wenn man nur die Studierenden mit Publizistikwissenschaft im Hauptfach betrachtet oder jene vernachlässigt, die das Studium unmittelbar vor der Erhebung abgeschlossen haben und mit ihrer Jobsuche gerade erst beginnen", sagt Dr. des. Mirko Marr, Oberassistent am IPMZ, gegenüber "persoenlich.com". Der Vergleich mit der Schweizer Gesamt-Arbeitslosenquote sei nicht ganz zulässig, weil nicht die gleiche Basis gegeben sei. "Die Arbeitslosenquote bezieht sich auf jene Erwerbslosen, die einen Job suchen. Wir können mit unseren Daten nicht belegen, wie viele von den zehn Prozent ohne Anstellung zum Erhebungszeitpunkt tatsächlich auch auf der Suche sind", erklärt Marr.
Die Studie gibt auch Auskunft über die Art der Arbeit und in welchen Berufsfelder sie diese ausüben. Zu grossen Teilen sind die Absolventen mit vermittelnden, analysierenden oder beratenden Aufgaben betraut, die in direkter Verbindung zur publizistik- und kommunikationswissenschaftlichen Ausbildung stehen. An der Verteilung der Anstellungen ist zu erkennen, dass die Erfüllung solcher Aufgaben nicht an ein konkretes Berufsfeld gebunden ist, sondern branchenübergreifend nachgefragt wird. Die mancherorts geäusserte Prognose, das Studium diene vor allem als Sprungbrett in den journalistischen Beruf, wird durch die vorgelegten Daten widerlegt. Nachfolgend die Ergebnisse der Studie im Detail.
Studiendauer
Im Schnitt benötigen die Absolventen 12 Semester, um ihr PW-Studium abzuschliessen. Hauptfächler studieren ein Semester weniger als Nebenfächler. Im Vergleich der Abschlussjahrgänge zeigt sich seit 2000 eine Verringerung der Studiendauer.
Fächerkombination
Hauptfächler wählen ihre Nebenfächer häufig über die Fakultätsgrenzen hinweg. Neben den anderen Sozialwissenschaften, den Philologien oder der Geschichte sind vor allem die Angebote der wirtschaftswissenschaftlichen und der rechtswissenschaftlichen Fakultät als Nebenfächer attraktiv. Umgekehrt zeigt sich jedoch, dass die Nebenfachstudierenden der PW ihre Hauptfächer fast ausnahmslos aus der Philosophischen Fakultät auswählen. Eindeutiger Spitzenreiter ist hier die Kombination der PW mit einer der Philologien als Hauptfach. Erst dann folgen die verwandten sozialwissenschaftlichen Disziplinen.
Berufserfahrung während des Studiums
Neun von zehn Absolventen sammeln während des Studiums berufliche Erfahrungen, zwei von drei in festen Anstellungsverhältnissen. Dies geschieht zum überwiegenden Teil in PW-nahen Bereichen. Je ein Drittel der Absolventen verlässt die Uni mit Berufserfahrungen im Printmedienbereich, im Bereich Öffentlichkeitsarbeit/PR und im Bereich Marketing. Jeder Vierte hat Erfahrungen im Bereich Forschung.
Berufseinstieg
Jeder dritte Absolvent findet unmittelbar nach dem Lizentiat eine Anstellung. Vier von zehn Absolventen steigen ins Berufsleben ein, indem sie eine bereits während des Studiums bestehende Anstellung fortsetzen. Mehr als jeder Zehnte nimmt nach dem Studium eine Dissertation in Angriff. 58 Prozent der Befragten geben an, dass sich ihr Einstieg ins Berufsleben sehr einfach gestaltete, während jeder Fünfte diesen Einstieg als schwierig bewertet.
Aktuelle Anstellung
Neun von zehn Absolventen verfügen derzeit über eine Anstellung, acht von zehn stehen dabei in einem festen Anstellungsverhältnis. Jeder zweite Absolvent bekleidet eine 100-Prozent-Stelle. 27 Prozent der Absolventen nehmen im Rahmen ihrer Anstellung Führungsverantwortungen wahr. Jeder dritte Absolvent bezieht ein monatliches Bruttoeinkommen zwischen 4000 und 6000 Franken. 42 Prozent der Absolventen verdienen mehr als 6000 Franken.
Der Anteil der Anstellungslosen ist zwar bei den Männern (13 Prozent) etwas höher als bei den Frauen (8 Prozent). Dafür sind Frauen seltener auf vollen Stellen und sie verdienen weniger. Sowohl die Wahrscheinlichkeit einer Festanstellung als auch die einer 100-Prozent-Stelle ist bei den Hauptfächlern grösser als bei den Nebenfächlern. Ältere Abschlussjahrgänge verfügen eher über eine Anstellung und verdienen mehr als die jüngeren, obwohl sie seltener eine Vollzeitstelle besitzen.
Von jenen Absolventen, die aktuell über eine Anstellung verfügen, sind 18 Prozent bei einem publizistischen Medienunternehmen tätig. 13 Prozent stehen bei einer Universität, der ETH oder einer Fachhochschule in Lohn und Brot. Weitere 11 Prozent arbeiten bei einer PR-, Marketing-oder Werbeagentur. Diese Werte variieren zwischen Haupt- und Nebenfächlern beträchtlich. Nimmt man die beiden Bereiche "Medienunternehmen" und "PR/Marketing/Werbung" zusammen, so sind dort vier von zehn Hauptfächlern, aber nur einer von fünf Nebenfächlern beschäftigt.
Unterteilt man die aktuellen Anstellungen nach dem Aufgabengebiet, so übt jeder vierte Absolvent eine Tätigkeit aus, bei der es vor allem um Werbung oder PR geht. Etwa den gleichen Anteil nehmen Aufgabenbereiche ein, die im weitesten Sinne der Lehre und/oder der Forschung zuzurechnen sind. 18 Prozent sind mit journalistischen Aufgaben betraut, dicht gefolgt von allen Arten der Beratung.
Auch hier zeigen sich deutliche Differenzen zwischen Haupt- und Nebenfächlern. Während sechs von zehn Hauptfächlern klassische Kommunikationsaufgaben (Journalismus/PR/Werbung) erfüllen, tut dies nicht einmal ein Drittel der Nebenfächler. Dafür ist bei letzteren jeder dritte mit Lehr- und/oder Forschungsaufgaben betraut (Die Befunde beziehen sich auf die Anstellungssituation aller Absolventen im Sommer 2004.).
Anstellungen insgesamt
Die 253 Befragten haben insgesamt 492 Anstellungen genannt. Acht Prozent der Befragten geben keine Anstellung an, wobei es sich hier vor allem um Absolventen des Jahres 2003 handelt. Knapp ein Viertel gibt mehr als zwei Anstellungen zu Protokoll. Von den 492 genannten Anstellungen sind 82 Prozent Festanstellungen. Ein Fünftel der Anstellungen ist mit Führungsaufgaben verknüpft. Die Anstellungsdauer liegt bei 28 Prozent der Fälle unter einem halben Jahr.
Jede dritte Anstellung dauert mindestens zwei Jahre. 41 Prozent aller Anstellungen sind Vollzeitstellen, bei 29 Prozent liegt die Zahl der Stellenprozente bei 50 oder darunter. 23 Prozent aller Anstellungen sind bei einem Medienunternehmen, 13 Prozent bei höheren Bildungseinrichtungen und 9 Prozent bei Marketing- und PR-Agenturen. Mehr als ein Viertel aller Anstellungen beinhalten Forschungs- und/oder Lehraufgaben. Je ein Fünftel lässt sich den Tätigkeitsbereichen Journalismus oder PR/Marketing zuordnen (Basis der Auswertung sind alle Anstellungen der Absolventen seit dem Jahr des Studienabschlusses bis zum Juni 2004.)
Methodischer Steckbrief
Die Erhebung wurde im Juni/Juli 2004 als schriftliche Befragung durchgeführt. Als Grundgesamtheit gelten alle 449 Studierenden, die zwischen 1997 und 2003 Publizistikwissenschaft (PW) an der Universität Zürich im Hauptfach (139) oder im Nebenfach (310) abgeschlossen haben. An der Befragung teilgenommen haben 253 Absolventen (56 Prozent). Von 77 Personen (17 Prozent) lagen keine korrekten Adressen vor. 119 Personen (27 Prozent) haben die Teilnahme verweigert.
Im Vergleich zur Grundgesamtheit weist die durch die Ausfälle entstandene Stichprobe leicht höhere Anteile für Frauen (GG = 58 Prozent; Sample = 61 Prozent), für Hauptfächler (GG = 28 Prozent; Sample = 35 Prozent) und für die jüngeren Abschlussjahrgänge (Abschluss 2003: GG = 28 Prozent; Sample = 35 Prozent) auf.