Frau Thoma, seit Oktober erscheint ".ch" mit neuem Konzept und in einem neuen Gewand. Nun haben Sie vermeldet, der Relaunch sei erfolgreich verlaufen. Wie definieren Sie erfolgreich?
Wir stellen an allen Fronten fest, dass das neue ".ch" vom Leser stärker akzeptiert wird und die Nachfrage steigt. Die Kolporteure verteilen deutlich mehr Exemplare und die Boxen leeren sich besser. Auch die direkten Feedbacks der Leser auf unsere Aktionen steigen. Und in den Pendlerzügen ist ".ch" viel präsenter als früher.
Können Sie dies auch in konkreten Zahlen ausdrücken?
Im November, knapp einen Monat nach der Umstellung, waren es bereits 50 Prozent mehr Leser, über 300000 gemäss einer vom Verlag in Auftrag gegebenen Studie.
Mehr Farbe und die komplette Ausrichtung als Pendlerzeitung zeigen also eine positive Wirkung. Ist es wirklich so einfach?
Das freundliche und frische Layout sowie die pendlergerechten Inhalte sind tatsächlich ein sehr wichtiger Bestandteil des Erfolgs. Die Verpackung ist wichtig und soll "Lust" auf den Inhalt machen.
Denken Sie manchmal, warum haben wir das Erfolgsrezept nicht gleich von Anfang an angewandt?
Ehrlich gesagt ja, es wäre wohl einiges einfacher gewesen.
Die Hauptinvestoren haben eine neue Herausgeber-Gesellschaft mit dem Namen "Punkt ch AG" gegründet. Im "Sonntag" war zu lesen, ohne diese erneute Kapitalspritze gäbe es ".ch" nicht mehr. Hat das neue Konzept noch nicht mehr bzw. genug Einnahmen gebracht?
Ein Projekt in der Grössenordnung wie ".ch" basiert auf Investitionen im 2-stelligen Millionenbereich und braucht mehrere Jahre bis break even erreicht werden kann.
Im Zusammenhang mit Investitionen redet man immer auch von einer Exit-Strategie. Wie sieht die bei den Investoren von ".ch" aus? Gibt es einen Plan, die Zeitung auf Vordermann zu bringen und dann an einen grösseren Verlag zu verkaufen?
Zu den Absichten der Investoren kann ich keine Stellung nehmen. Fest steht aber, dass sich die Investoren langfristig engagiert haben.
Experten sind sich einig, dass von den drei Gratiszeitungen die Chancen für die Nummer 3 auf dem Markt gleich null sind. Warum wird sich ".ch" gegen "News" durchsetzen?
Wir haben klar das Ziel, die Nr. 2 im Schweizer Markt zu werden. Dies mit einem attraktiveren Produkt, das dem Leser vielfältigere, spannendere und regionalisierte Inhalte bietet.
Sie wollen sich mit der Gründung der neuen Herausgeber-Gesellschaft Punkt ch AG auch von vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Druckereien lösen. Sie berufen sich da auf eine Klausel, die besagt, dass die Zusammenarbeit beendet ist, wenn die Media Punkt AG die Herausgabe der Gratiszeitung beendet. Ist das ganze also bloss ein juristischer Kniff, um die Druckaufträge loszuwerden?
Mit der Gründung der neuen Gesellschaft schaffen wir nach dem neuen Redaktions- und Vertriebskonzept nun auch wirtschaftlich eine Basis für die weitere erfolgreiche Entwicklung.
Wie haben die betroffenen Druckereien reagiert?
Wir haben die Druckereien über die Gründung der neuen Gesellschaft informiert. Über die neuen Druckaufträge wird derzeit verhandelt.
Die fünf Kernaktionäre haben Sacha Wigdorovits die Anteile abgekauft. Ist damit dieses teure Kapitel endgültig abgeschlossen oder spukt der Geist des Gründers noch in den Köpfen der Mitarbeiter und Werbekunden herum?
Wir kommentieren keine Abmachungen unter den Aktionären in der Öffentlichkeit.
(Interview: Stefan Wyss)